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Jean Kleeb lässt die Finger tanzen

9. Semana Latina Jean Kleeb lässt die Finger tanzen

Mit heißen Rhythmen, flotten Sambas und Bossa Novas aber auch mit Balladen läuteten Jean Kleeb und seine brasilianischen Freunde Sinval Viera da Matta und Régis Patrick Florencio die 9. Semana Latina ein.

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Die brasilianischen Musiker Jean Kleeb (von links), Régis Patrick Florencio und Sinval Viera da ­Matta eröffneten die 9. Semana Latina.

Quelle: Mareike Bader

Marburg. Von Anfang an war Leidenschaft für die Musik im Spiel. Ganz reduziert begann Régis Patrick Florencio mit einer Improvisation am Kontrabass. Dann kamen nacheinander Schlagzeuger Sinval Viera da Matta und der Marburger Jean Kleeb am Piano hinzu. Zusammen spielten sie eine mitreißende Samba, bei der Kleeb auf seinem Klavierhocker hin und her tanzte. „Das ist ein bisschen Brasilien, was wir spielen“, erklärte der Brasilianer lachend bei der Begrüßung.

Nicht nur durch die drei verschiedenen Instrumente gaben die drei Musiker den ausgewählten Stücken eine ganz eigene Note. Selbst Lieder wie das bekannte „Samba de uma nota só“ von Antonio Carlos Jobim klangen ganz anders als gewohnt. Das lag nicht nur am fehlenden Gesang, sondern auch an den Musikern. Sie ließen sich völlig auf die Musik ein. Sinval Viera da Matta nutzte die verschiedenen Möglichkeiten am Schlagzeug, Jean Kleeb ließ am Klavier seine Finger tanzen und Régis Patrick Florencio am Kontrabass begeisterte mit teils ungewöhnlicher Spieltechnik.

Etwas ruhiger, dafür thematisch wunderbar passend zur Waggonhalle, begann „Trenzinho caipira e“, das sich zu einer schwungvollen Zugfahrt entwickelte, bei der die typischen Zuggeräusche wunderbar nachgeahmt wurden. Auch das folgende „Bachiana Nr. 4“ von Heitor Villa Lobos klang wunderschön sehnsuchtsvoll. Dazu begleitete Sinval Viera da Matta ganz gefühlvoll mit brasilianischen Rasseln, die Caxixi genannt werden und je nach Klang mit verschiedenen Fruchtkernen gefüllt sind, wie er später im Gespräch erklärte.

Das Publikum mischt kräftig mit

Nach der Pause wurde dann auch gesungen. So etwa das wunderschöne „Inutil Paisagem“ von Antonio Carlos Jobim, bei dem Régis Patrick Florencio mit seiner sanften warmen Stimme begeisterte und Sinval Viera da Matta Trompete spielte.

Sinval Viera da Matta nutzte die Gelegenheit bei seinem Auftritt als Sänger bei „Influência do Jazz“ richtig aus und riss das Ruder an sich. So forderte er spontan Jean Kleeb zum flinken Klaviersolo auf, heizte zwischendrin das Tempo an oder animierte das Publikum zum Mitklatschen. Sowohl die drei Musiker als auch die 60 Zuhörer hatten richtig viel Spaß.

Zum Schluss gab es natürlich auch noch drei Werke aus der Feder von Jean Kleeb selbst: Seine Sambinha Nr. 2 sowie das Kyrie und Gloria seiner Missa Brasileira – ohne Gesang aber ebenso kraftvoll und mitreißend.

Die Semana Latina endet (vorläufig) am Samstag. Bis dahin stehen noch drei Veranstaltungen in der Waggonhalle auf dem Programm:

  • Am Donnerstagabend wird ab 20 Uhr die Tanzshow „Von Jaipur nach Jerez“ geboten. Gaststar des Abends ist die Kathak-Tänzerin Surangama Dasgupta aus Kalkutta.
  • Am Freitagabend tritt ebenfalls ab 20 Uhr die Marburger Band „Rosas Heft“ auf: Die fünf Musiker kleiden alte deutsche Volkslieder in ein brasilianisches Gewand.
  • Höhepunkt der Woche ist die Peña Folclorica am Samstag – eine traditionelle lateinamerikanische Konzert-Party. Auftreten werden ab 20 Uhr drei Bands Wiñay, Rising Fire und das Duo Luna de la Paita.
  • Für den 23. Oktober haben die Veranstalter das bolivianische „Ensamble Moxos“ eingeladen: Ab 20 Uhr ist in der Pfarrkirche die einzigartige Kombination aus Barockmusik und indigener Folklore mit Tanz und Musik aus dem Amazons-Tiefland zu erleben. Mit der Tournee des Ensembles wird ein Schulprojekt unterstützt.

von Mareike Bader

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