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Jazziger Hip-Hop mit Botschaft

„Compass“ in der Waggonhalle Jazziger Hip-Hop mit Botschaft

Eine junge Band aus Osnabrück war zu Gast in Marburg. Sie bescherte Sängerin Jasmine Klewinghaus ein Heimspiel und den ­Zuhörern in der Waggonhalle einen tollen Abend.

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Die Band „Compass“ mit Sängerin Jasmine Klewinghaus verbindet Hip-Hop, Jazz und politische Texte zu einem spannenden Mix.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Marburg. 2014 haben sie gleich mal den „Study Up Jazz Award“ gewonnen. Und 2016 sind sie zu den Bachfestspielen nach Leipzig eingeladen worden. Kein schlechter Start für eine Band, die erst seit knapp zwei Jahren zusammen spielt.

„Compass“ bringt Jazz und Rap zusammen, ergänzt Bläsersätze und packt dann noch eine Botschaft obendrauf. Was dabei herauskommt klingt unerwartet harmonisch und ebenso frisch wie stilsicher.

Jeden, der seichte und vorhersehbare Musik satt hat, den möchte die Band ansprechen, schreibt sie auf ihrer Homepage. Und keine 24 Stunden, nachdem im Fernsehen die erste „Eventshow“ der aktuellen „Deutschland sucht den Superstar“-Staffel gesendet worden war, konnten sich zumindest 50 Zuschauer in der Marburger Waggonhalle bei „Compass“ davon überzeugen, was junge Musiker hierzulande fernab des Mainstream so drauf haben. Die sechs rockten, als wäre eine Riesenhalle ausverkauft – wenn man von „rocken“ in ihrem Fall überhaupt reden darf.

Bestuhlung kann Tanzbegeisterte nicht stoppen

Jasmine Klewinghaus kennt man in Marburg noch von ihren Auftritten mit „Straight Bourbon“. Inzwischen studiert die in Marburg aufgewachsene Sängerin in Osnabrück, wo sie sich mit Jonathan Fisher, Lorenz Schönle, Paul Smirnov, Max Preiß und Gerrit Stiehler zusammengetan hat. Jazzige Kompositionen mit Rap-Elementen, Trompete und Saxophon zu politischen Texten – „Compass“ hat einen eigenen, eigenwilligen und musikalisch anspruchsvollen Stil, der beim Marburger Publikum super ankam.

Auch wenn das Konzert bestuhlt war, ließen sich die meisten Besucher überzeugen, aufzustehen und näher an die Bühne zu kommen und zu tanzen. Den schwermütigen Teil hätten sie bald hinter sich, scherzte Trompeter Jonathan Fisher, der auch für die Rap-Parts zuständig war, nach Titeln wie „Trauma“ oder „Inhumane Nature“. 28 Jahre lang hätte er es geschafft, kein Liebeslied zu schreiben, aber dann, „einmal nicht aufgepasst“ – und fertig war das durchaus romantische „Perfect Match“.

Ansonsten sehen sich die Musiker „ganz in der Tradition des sozialkritischen Hip-Hop der Goldenen Ära“. So ist das Lied „Fuck TINA“ nicht etwa ein Abgesang auf eine Ex von einem der männlichen Bandmitglieder, sondern bezieht sich auf die Abkürzung für „There is no alternative“ (es gibt keine Alternative), wie Jasmine Klewinghaus erklärte. „Wir glauben, dass es immer eine Alternative gibt“, stellt die Band klar.

Tolle Botschaft, tolle Musik, tolles Konzert. Den Namen „Compass“ sollte man sich merken – fürs nächste Marburger Konzert. Und weil man vermutlich noch von den Herrschaften hören wird. Hoffentlich viel.

von Nadja Schwarzwäller

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