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Jazz-Weltklasse hoch drei

Michael Sagmeister, Dominique Di Piazza und Michael Küttner Jazz-Weltklasse hoch drei

Ein wahres Jazzfest boten am Sonntagabend Michael Sagmeister, Dominique Di Piazza und Michael Küttner mit einem unfassbar guten Auftritt im KFZ.

Marburg. Nur zwei der gut 120 Besucher ließen sich diesen Jazzleckerbissen entgehen. Eine Frau verlor die Geduld, als die Musiker nach 30 Minuten des Wartens noch nicht in Sicht waren. Der Durchsage nach waren sie beim Abendessen. Ihrem Begleiter blieb nur, als ihr zu folgen.

Als acht Minuten später der Marburger Weltklasse-Gitarrist Michael Sagmeister und seine kongenialen Kollegen, Bassist Dominique Di Piazza und Michael Küttner, einer der besten Jazzdrummer Europas, die Bühne betraten, sofort mit „You don‘t know what love is“ begannen und sich in einen großartigen Trialog steigerten, war das lange Warten schnell vergessen.

Di Piazza habe großen Hunger gehabt und beim Chinesen habe es länger gedauert, erklärte Sagmeister die Verspätung. Offensichtlich hatten sich die Künstler gut gestärkt. Was folgte, wird wohl in die Annalen eingehen als eines der besten Jazzkonzerte in Marburg. Volle zwei Stunden, angefüllt mit teils fetzigen Stücken mit Saitenbearbeitung in überirdischer Geschwindigkeit und Präzision, aber auch mit gefühlvollen Balladen. Von überbordender Spielfreude geprägte Improvisationen, Instrumentaldialoge zwischen den Musikern und atemberaubende Soli hielten die Spannung durchgehend auf hohem Niveau, forderten den Besuchern aber auch einiges an Konzentration ab, sofern sie all den komplizierten und vertrackten Wendungen folgen wollten, die die Musiker mit unerhörter Leichtigkeit einfließen ließen.

Dass das Konzert mit „Magic Strings“ überschrieben war, war eine schiere Ungerechtigkeit: „and drums“ muss hinzugefügt werden. Was Michael Küttner am Schlagzeug zu bieten hat, könnte allein einen Abend füllen. Nach dem Konzert verriet ihm ein Gast, dass das überwältigende Drumsolo „Bouncing around“, bei dem Küttner faszinierend in westafrikanischer sowie in Fantasiesprache Silben singend, für ihn der Höhepunkt gewesen sei. Bei berühmten Stücken wie dem Bossa Nova „Manhã de Carnaval“ oder „Sunny“ von Bobby Hebb, mit denen das Trio die letzte halbe Stunde bestritt, zeigte sich nochmals in aller Deutlichkeit, was diese Ausnahmekünstler aus oft Gehörtem an Überraschendem und Neuem herausholen können.

von Manfred Schubert

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