Volltextsuche über das Angebot:

13 ° / 9 ° Regen

Navigation:
Jan Garbarek lässt das Saxofon singen

Jazzkonzert im Erwin-Piscator-Haus Jan Garbarek lässt das Saxofon singen

Stehende Ovationen gab es am Sonntagabend für Jan Garbarek und seine Band. 700 Jazzfans erlebten ein faszinierendes Konzert der Extraklasse.

Voriger Artikel
Unbeirrt kritisch und humorvoll
Nächster Artikel
Vampirlady will blutige Rache

Begleitet von dem Gitarristen Rainer Brüninghaus, dem Bassisten Yuri Daniel und dem indischen Star-Percussionisten Trilok Gurtu faszinierte Jan Garbarek einmal mehr seine vielen Marburger Fans.

Quelle: Miriam Prüßner

Marburg. Bereits als Jan Garbarek die Bühne betritt, bricht stürmischer Beifall los. Der norwegische Saxophonist zählt zu den bedeutendsten zeitgenössischen Jazzmusikern und ist seit über 40 Jahren eine feste Größe­ in der europäischen ­Musikszene.

Im Laufe der vielen Jahre, die Garbarek schon Musik macht, hat er seinen ganz eigenen Stil entwickelt. Er verbindet den Jazz in einzigartiger Weise mit Elementen der Weltmusik und der Folklore seiner Heimat.

Mit wunderbar schwebenden, fast sphärischen Klängen­ eröffnet die Band das Konzert am Sonntagabend. Im Zentrum steht natürlich Jan Garbarek mit seinem meisterlichen und zugleich entspannten Spiel, das die Zuhörer sofort fesselt. Der Künstler erzählt regelrecht Geschichten mit seinem Saxophon, lässt es singen, sprechen, wispern und flüstern.

Ausflüge in die chaotischen Gefilde des Freejazz

Die ruhigen Stücke, die eine große Gelassenheit atmen und Garbarek viel Raum geben, seine weiten Melodiebögen zu spannen, sind besonders faszinierend. Sie laden dazu ein, sich entspannt zurückzulehnen und sich ganz dem Fluss der Musik hinzugeben.

Aber der Saxophonist kann auch anders. Garbarek entlockt seinem Instrument bisweilen laute, aggressive Töne, spielt dabei mit unglaublicher Intensität und langem Atem und präsentiert einen schier unerschöpflichen Reichtum an Variationen. Immer wieder unternimmt er kleine Ausflüge in die chaotischen Gefilde des Freejazz und lässt seiner künstlerischen Phantasie freien Lauf.

Hervorragend ergänzt wird er durch den indischen Perkussionisten Trilok Gurtu, auch er ein Vollblutmusiker durch und durch. Dieser Mann ist eine Klasse für sich.

Er spielt virtuos auf Schlagzeug und Bongos, lässt Schellen und Rasseln klingen und entlockt sogar einem gefüllten Wassereimer ungeahnte Töne.­ Schön ist, dass Jan Garbarek ( Foto: Prüßner) ihm viel Raum lässt für seine faszinierenden und verrückten Klangexperimente.

Bandmitglied Rainer Brüninghaus am Piano und Keyboard ist ebenfalls ein ausgebuffter ­Profi seines Faches. In langen, variantenreichen Solopartien stellt er sein großes Können unter ­Beweis.

Für ganz besondere Effekte­ sorgt er, indem er mit einer Hand Klavier spielt und mit der anderen Keyboard. Auch der brasilianische Bassist Yuri ­Daniel fügt sich bestens in das ­Zusammenspiel des Quartetts ein. Mit seinem sicheren, gekonnten und verlässlichen Spiel legt er den Grund für einen perfekten Sound.

Nach mehr als zwei Stunden Konzert, das weder durch Ansagen noch durch eine Pause­ ­unterbrochen wird, sind die ­Zuhörer im Erwin-Piscator-Haus restlos begeistert. Im ­Stehen applaudieren sie lange und ausdauernd und fordern energisch eine Zugabe, die die Band auch gerne gewährt. Danach kommen die Musiker ­ohne Instrumente zurück auf die Bühne und verabschieden sich freundlich und gut gelaunt von ihren Fans.

Jan Garbarek wurde 1947 in Mysen in Norwegen geboren. Garbarek ist Autodidakt. Er hat zahlreiche CDs veröffentlicht, hat Konzerte überall auf der Welt gegeben und mit Musikergrößen wie Keith Jarrett zusammen gespielt.

von Bettina Preussner

 
 
Voriger Artikel
Nächster Artikel

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr