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Ist das Gehirn ein Auslaufmodell?

Kabarett Ist das Gehirn ein Auslaufmodell?

Ein Feuerwerk an cleveren Gags zündete der Kabarettist Thomas Reis im Kulturladen KFZ. Die Zuschauer waren von seinen frechen Albernheiten begeistert.

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Schonungsloser Blick auf unsere Politiker: Der Kabarettist Thomas Reis ist ein scharfsinniger Beobachter und ein wortgewandter Analytiker.Foto: Bettina Preussner

Marburg. Gnadenlos und bitterböse, albern und skurril ist der Humor von Thomas Reis, eine sehr gekonnte Mischung aus politischem Kabarett und hintersinniger Blödelei über Gott und die Welt. Dabei teilte Reis, der im Rahmen des Marburger Kabarettherbstes im KFZ zu Gast war, am Freitag nach allen Seiten kräftig aus und schonte vor allem die Politiker nicht, egal ob rechte oder linke.

Die „GroKo“ sei die Abkürzung für „großer Kokolores“, meinte der Kabarettist, Merkel klebe an der Macht und Gabriel sei nur eine harmlose „Pummel-Putte“. Überhaupt sei ja Politiker ein ungelernter Beruf, beim politischen Personal handele es sich um ganz einfache Leute. Lauter Hilfsakademiker und Pseudo-Doktoren.

Schön sei allerdings, dass „unsere Ursel“, sprich Ursula von der Leyen, endlich den Krieg weiblicher gemacht hat. Jetzt gebe es endlich Doppel-Feldbetten, und den Männern werde das ewige Rumgeballer langsam peinlich.

Nicht nur die Politiker nahm Reis aufs Korn, sondern auch die Beziehung zwischen den Geschlechtern. „Ist der Mann die Krankheit seines Geschlechts?“ , fragte er selbstkritisch. Und weiter hieß es: „Die Frauen lieben die einfachen Dinge des Lebens - Männer.“ Die Bezeichnung „Blödmann“ sei ja eine Tautologie, also „doppelt gemoppelt“.

„Brauchen wir die Ökodiktatur?“

Echte Männer gebe es inzwischen nur noch in Russland, erklärte der Kabarettist weiter, und spottete über Putin und sein Macho-Gehabe. Immer wieder kam Thomas Reis vom Hundertsten ins Tausendste, niemand war vor seinem beißenden Humor sicher. „Brauchen wir die Ökodiktatur?“, fragte er nach einem langen Lamento über die Finanzmärkte und die Auswüchse des Kapitalismus. Und zog gnadenlos über die humorlosen Gutmenschen her, die anderen Vorschriften machen wollten. „Raucher emanzipiert Euch!“, rief er dem Publikum zu und forderte eine „fuministische Bewegung“ und das Recht auf Selbstzerstörung. Schließlich jammerte Reis über die digitale Welt und ihre Auswirkungen. „Das Gehirn ist das Auslaufmodell unter den Speichermedien“, beklagte er. Das schien bei Thomas Reis allerdings nicht der Fall zu sein. Die Zuschauer honorierten seine cleveren Albernheiten mit minutenlangem Applaus. Thomas Reis wurde 1963 geboren und macht seit über 20 Jahren erfolgreich Kabarett. Er hat mehr als 2000 Gastspiele absolviert und wirkte bei mehr als 100 Fernsehsendungen mit. Reis wurde mit zahlreichen Kabarettpreisen ausgezeichnet, darunter der Kleinkunstpreis des Landes Baden-Württemberg und der Kabarettpreis des Handelsblattes.

Von Bettina Preussner

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