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Irrsinn oder die ganz persönliche Normalität?

Theater Gegenstand: „Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen“ Irrsinn oder die ganz persönliche Normalität?

Was ist eigentlich normal? Mit dieser Frage beschäftigt sich die neue Produktion von Theater Gegenstand.

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Alle drei Darsteller von Theater Gegenstand schlüpften in die Rolle der Hauptfigur.

Quelle: Caroline Stockmann

Marburg. Lea Liepe, Svenja Herzog und Tobias Klös standen bei der Premiere einer Bearbeitung von „Aufzeichnungen eines Wahnsinnigen“ von Nikolaj Gogol auf der Bühne der Waggonhalle.

Anhand verschiedener Tagebucheinträge erzählt Gogol von Tito Pop. Dieser ist ein normaler, durchschnittlicher Mann in den Vierzigern. Er ist Büroangestellter und Fließbandarbeiter – ein kleiner unbedeutender Beamter. Sein Privatleben ist trist, er ist unglücklich verliebt in die Tochter seines Chefs und beruflich muss er einige Rückschläge hinnehmen.

Tito erschafft sich eine eigene, alternative Wirklichkeit, die alle Probleme zu lösen scheint. Ihm geht es um Anerkennung, Liebe und auch um Erschöpfung. Da er diese in der Realität nicht zu spüren bekommt, flüchtet er in seine ganz eigene Welt. In dieser fühlt er sich sicher und in all seinen Handlungen bestärkt.

Alle drei Schauspieler spielen mal den selben Charakter

Die Textvorlage von Gogol zeigt, wie manche Menschen, die immer wieder von verschiedenen Seiten Kränkung und Ablehnungen erfahren, damit umgehen. Die Handlung spiegelt eine Gesellschaft, in der nach oben gebuckelt und nach unten getreten wird.

Die Besonderheit der Inszenierung, die zuweilen auch für Verwirrung im Publikum sorgte, war die Darstellung des Tito Pop durch alle drei Schauspieler. Jeder der drei zeigte dabei seine ganz eigene Interpretation der Figur und belebte somit den Charakter und seine Geschichte. Das Stück spielt ganz klar mit dem Moment der Irritation. Der Text ist an vielen Stellen absurd und skurril, aber auch komisch.

Im Anschluss an die Premiere fand eine Diskussionsrunde zum Thema Normalität statt. Die Erziehungswissenschaftlerin Susanne Maurer leitete die Diskussion und regte zu weiteren Gedanken über Normalität und deren Definition in unserer Gesellschaft an.

Fragen über die Bedeutung und die eigene Wahrnehmung von Normalität wurden behandelt. Die Zuschauer beteiligten sich rege an dieser Debatte. Normalität ist nicht messbar, nicht definierbar und oftmals auch nicht erstrebenswert – dies war wohl die Schlussfolgerung, die jeder mit nach Hause nehmen konnte.

von Caroline Stockmann

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