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Intimer Abend mit „Hochzeitsgeige“

Yihua Jin-Mengel und Jelena Eskin Intimer Abend mit „Hochzeitsgeige“

Eine besondere Geige stand am Samstag im Mittelpunkt eines Konzerts im Restaurant Burg Café. Sie lag viele Jahrzehnte als Deko herum, bis sie 
 eine Geigerin entdeckt.

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Yihua Jin-Mengel mit der „Hochzeitsgeige“ (links) und Jelena 
Eskin spielten gemeinsam im Burg Café in Amöneburg.

Quelle: Mareike Bader

Amöneburg. Im vergangenen Jahr feierten Yihua Jin-Mengel und ihr Ehemann Arnd Mengel im Amöneburger Restaurant Burg Café ihre Hochzeit. Schon beim ersten Besuch war Arnd Mengel die alte Geige aufgefallen, die als Schmuck auf dem Klavier lag. „Die wurde nie gespielt, lag immer nur herum“, verriet Inhaberin Luzia Link.

Nachdem die Geige während der Hochzeit bereits von mehreren Geigerkollegen Yihua Jin-Mengels angespielt wurde, beschloss ihr Ehemann, dem Restaurant die Geige abzukaufen und sie seiner Frau als Erinnerung an den Hochzeitstag zu schenken.

Geigen müssen aber regelmäßig gespielt werden, sonst leiden die Instrumente. Das ist auch ein Grund dafür, warum etwa wertvolle und seltene ­Stradivari-Geigen als Leihgabe an Musiker vergeben werden.

Die Amöneburger „Hochzeitsgeige“, wie sie jetzt genannt wird, „muss hier gute Lagerbedingungen gehabt haben“, freute sich Arnd Mengel. Denn die vermutlich um 1910 im Vogelsberg gebaute Geige lag seit Jahrzehnten nur als Deko auf dem Klavier herum. Verblüffenderweise war sie immer noch spielbar, musste nicht einmal aufwendig restauriert werden.

Gefühlvoll, aber bestimmte Interpretation

In der Geige wurde eine Markierung des Geigenbauers Gasparo da Salò aus dem 16. Jahrhundert gefunden, erzählte Arnd Mengel im Gespräch. Möglicherweise handele es sich bei dieser Geige also um einen Nachbau, denn ebenso wie die Geigen von da Salò weist auch die „Hochzeitsgeige“ einen weichen, leicht dunkleren Klang auf – „bratschig“, wie es Yihua Jin-Mengel nennt. Die Geige spielt Yihua Jin-Mengel inzwischen auch in ­ihrem Orchester: Sie spielt im NDR Elbphilharmonie Orchester.

Als Dankeschön spielte Jin-Mengel am Samstag mit ihrer Kollegin Jelena Eskin vom NDR-Orchester ein kleines Konzert im Restaurant Burg Café. Das passte zeitlich gut, denn am ­Wochenende ließ das Paar in Marburg seine kleine Tochter taufen. In der intimen Atmosphäre des Burg Cafés wirkte das leidenschaftliche Spiel der beiden Violinistinnen besonders intensiv.

Obwohl die Zuhörer sehr dicht an den Interpretinnen saßen, war keine der beiden zu laut oder zu dominant. Gefühlvoll, aber bestimmt, interpretierten sie zwei der drei Duos von Haydns op. 99. Gerade beim ersten Satz des Duos Nr. 3 begeisterte Jelena Eskin mit dem schnellen Lauf, der mit vielen Sprüngen gespickt war.

Im Duo Nr. 1 setzten die Musiker die Bezeichnung „allegro spirituoso“ wunderbar um und spielten zum Ende noch einmal energischer, bevor der erste Satz mit sanftem Zupfen beendet wurde. Im zweiten Satz ging es leidenschaftlich weiter, wobei Yihua Jin-Mengel immer wieder mit dem Fuß energisch aufstampfte.

Dies war zuvor auch beim lebhaften dritten Satz der ersten Sonate aus Jean-Marie Leclairs sechs Sonaten für zwei Violinen, op. 3, zu erleben. Mit flinken, rhythmischen Figuren ließen die beiden Musikerinnen ihre Stimmen förmlich miteinander tanzen. Fazit: Die alte 
Amöneburger Hochzeitsgeige „lebt“ wieder.

von Mareike Bader

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