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Intensives und emotionales Solo

Hessisches Landestheater Intensives und emotionales Solo

Mit viel Tempo führt 
Julia Glasewald in ihrem Solostück am Hessischen Landestheater durch die Geschichte der „Marquise von O…“.

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Julia Glasewald taucht in ihrem Theatersolo ein in die Welt von Heinrich von Kleists „Marquise von O. . .“.

Quelle: Killa Schuetze

Marburg. Wie in der Reihe der „Wilden Schwäne“ üblich, stammt die Initiative zu diesem Stück, bei dem die Novelle von Heinrich von Kleist umgearbeitet wurde, von der Schauspielerin selbst.

„Das ist kein Problem, es ist nur ein anderer Weg als man ihn sonst gewohnt ist“, erklärt Verena Nagel, Regisseurin des Stücks, im Gespräch mit der OP. Und so stammt auch die Textfassung hauptsächlich von Julia Glasewald, ebenso die Idee, mit Bewegung zu arbeiten. Sie habe sich vor allem mit der Pause und der Stille zwischen den Worten beschäftigen wollen, erläutert Julia Glasewald.

Doch viele Pausen sind im Monolog nicht vorgesehen. Mit teils rasantem Tempo flitzt Glasewald durch die textreiche 
Geschichte, was auch dem Zuschauer viel Aufmerksamkeit abverlangt. Auch der Schauspielerin ist die Anstrengung deutlich anzusehen, drei Mal entfällt ihr der Text.

Schwangerschaft kommt nicht in Frage

Das Stück wird zu einer komprimierten Fahrt durch Kleists Geschichte von der „Marquise von O…“ und 
ihrer unwissentlich zustande gekommenen Schwangerschaft. An die Zeugung kann sie sich nicht erinnern, will die Schwangerschaft zuerst auch nicht wahrhaben und beruft sich auf ihr schuldfreies Bewusstsein – ihre Familie aber glaubt ihr 
anfangs nicht. Julia Glasewald 
gelingt es, die Zerissenheit der Marquise deutlich zu machen.

„Die Schwangerschaft trifft den Körper der Marquise unmittelbar“, erklärt Choreografin Lisa Wengler, die im Stück den Körper im Mittelpunkt sieht. Der Körper signalisiere durch vermeintliche Krankheitssignale, dass sich die Marquise in anderen Umständen befinde, auch wenn sie es gedanklich noch nicht verarbeiten wolle und könne.

Den Körper als Ressonanzkörper der Geschehnisse inszeniert sie vor allem in der Tanzszene, wenn die von der Familie verstoßene Marquise beschließt, sich in ihr Inneres zurückzuziehen. Glasewald durchlebt im hell erleuchteten Raum immer wieder ähnliche Bewegungsschleifen – als wolle die Marquise ergründen, was passiert ist.

Kleine Bewegungen ziehen 
 sich durch das Stück, etwa wenn die Eltern der Marquise durch eine bestimmte Haltung von Glasewald unterscheidbar 
gemacht werden. Auch der 
 berühmte Gedankenstrich, mit dem Kleist kommentarlos die Vergewaltigung markiert, wird so verdeutlicht.

Julia Glasewald stellt die Marquise einerseits sehr stille Figur dar, andererseits als starke Frau, die sich nicht beirren lässt. Die Zuschauer belohnten die Schauspielerin mit langem Applaus für ihr intensives und emotionales Spiel.

  • „Die Marquise von O . . .“ ist heute Abend sowie am 8. November jeweils ab 19.30 Uhr im Theater am Schwanhof zu sehen.

von Mareike Bader

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