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Innovatives Theater für jedes Alter

Hessische Kinder- und Jugendtheaterwoche eröffnet Innovatives Theater für jedes Alter

Fantastische Körperbeherrschung und poetische Bilder bot die Gruppe Tr‘espace aus der Schweiz zur Eröffnung der 19. Hessischen Kinder- und Jugendtheaterwoche.

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Roman Müller von der Gruppe Tr‘espace aus der Schweiz faszinierte zum Start der Hessischen Kinder- und Jugendtheaterwoche mit großartiger Jonglagekunst.Foto: P. Deutsch

Quelle: p.deutsch

Marburg. Mit ihrem Stück „Arbeit oder: Das Lob des Vergänglichen“ präsentierte sie das, für das das Festival im Ganzen steht: Innovatives Theater für Menschen aller Altersgruppen.

Zunächst aber stand die offizielle Eröffnung des Festivals auf dem Programm, das in der kommenden Woche einerseits 20 Inszenierungen aus Hessen, dem Bundesgebiet und dem Ausland bietet, andererseits auch eine Vielzahl von Workshops, in denen Kinder und Jugendliche selbst Theater spielen können. Die Redner nahmen allesamt Rücksicht auf das naheliegenderweise zum Teil recht junge Publikum und hielten ihre Reden kurz wie nie, so dass es fast sofort losgehen konnte mit dem Spiel auf der Bühne. Zuvor ließ es sich Intendant Matthias Faltz jedoch nicht nehmen, auf das 20-jährige Bestehen des Festivals im kommenden Jahr hinzuweisen, das besonders groß begangen werden soll - und für das er sich daher noch etwas mehr finanzielle Unterstützung von allen Förderern wünscht.

Dann aber begann das konzentriert-innerliche Spiel von Tr’espace, bei dem die großartige Jonglagekunst von Roman Müller im Mittelpunkt steht. Doch während klassische Jonglagen auf Geschwindigkeit und Rasanz setzen, lebt seine Performance von totaler Beherrschung des Körpers und der Dinge. Schier unglaublich schien schon das an ein Flugsaurierskelett erinnernde Mobile aus Stücken von Palmwedeln, die er so fragil ausbalancierte, dass im Publikum die Meinung zu hören war, er benutze wohl Magnete, aber mitnichten. Ein leichter Stoß, und das magische Gebilde zerfiel in seine Teile.

Eve-Anouk Jebejian begleitete mit zarten Klavierklängen, wie der Jongleur konzentriert weiter die Möglichkeiten seines Tuns erforschte und dabei aus seinem Körper, Licht, einem Diabolo und viel Sand traumhafte Bilder erschuf und dabei aber deutlich werden ließ, dass seine Kunst auch ganz schön anstrengend ist. Dann nahm er selbstgebastelte Maschinen zu Hilfe, die ihn auf wundersame Weise unterstützen, aber auch mit weiterer Arbeit versorgten. Immer neue Möglichkeiten, sie zu nutzen, findet der Jongleur, bis er sie am Ende sogar seine Arbeit tun lässt. Ein Stück zum Schauen und Staunen, wobei das weitgehende Fehlen von Handlungselementen einige der jüngeren Zuschauer unruhig werden ließ. Aber wenn man Theater präsentieren möchte, das neue Sehweisen bietet, kann das schon mal vorkommen.

Die Hessische Kinder- und Jugendtheaterwoche läuft noch bis zum 5. April und ist weitgehend ausverkauft. Am Samstag um 19.30 Uhr findet die offizielle Preisverleihung statt, bei der der vom Freundeskreis des Landestheaters gestiftete Preis für die beste Inszenierung vergeben wird.

Klassenzimmer wird zur Theaterbühne

Unter dem Motto „Frei-Räume“ werden auch dieses Jahr wieder Workshops angeboten.

Peter Brook beginnt seinen Klassiker der Theaterliteratur „Der leere Raum“ mit folgenden Worten: „Ich kann jeden leeren Raum nehmen und ihn eine nackte Bühne nennen. Ein Mann geht durch den Raum, während ihm ein anderer zusieht; das ist alles, was zur Theaterhandlung notwendig ist.“ Dieses Zitat spiegelt auch die zentrale Philosophie des Workshop-Bereichs des Marburger KUSS-Festivals wider.

Wie in jedem Jahr schwärmen wieder viele professionelle Theatermacher und -pädagogen aus, um in den Schulen und Kindereinrichtungen in Marburg und im Landkreis Marburg-Biedenkopf, Kindern und Jugendlichen das Theater und das Theaterspielen nahezubringen. Die Workshops finden an Orten statt, die eigentlich ganz anderen Zwecken dienen - ein Klassenraum, eine Turnhalle, ein Pausenhof. Doch mittels Tanz, Improvisation und vieler anderer theatraler Ausdrucksformen werden daraus Spielräume, die ungeahnte Potenziale enthalten. So wird nicht nur der freigeräumte (leere) Klassenraum zum theatralen Freiraum, in dem jeder Spieler und jede Spielerin zugleich er oder sie selbst sein und sich doch neu erfinden kann.

Geleitet und koordiniert wird das Projekt von Paul Möllers vom Staatlichen Schulamt und Nina Eichhorn vom Verein Schulkultur Marburg-Biedenkopf. Am Freitag, den 4. April zeigen dann auswählte Gruppen ab 16 Uhr ihre Arbeitsergebnisse bei der großen Workshop-Präsentation allen Freunden, Verwandten, Interessierten und Neugierigen auf der Bühne des Hessischen Landestheaters Marburg.

Heute werden um 10 Uhr „Zitronengelbundgrünwiederklee“, „Trashedy“ um 11 Uhr, sowie „Antigone“ um 19.30 Uhr gezeigt

von Heike Döhn

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