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Zoten kommen im Sekundentakt

Ingo Appelt in Marburg Zoten kommen im Sekundentakt

Er grölt, bellt und singt und im Nu hat sich das Publikum eingelacht. Ingo Appelt zeigte mit seinem neuen Bühnenprogramm, dass er Energie sprüht und mit schwarzem Humor und pointierten Parodien punkten kann.

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Ingo Appelt trat am Freitag vor 400 Menschen im Erwin-Piscator-Haus auf.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. „Ich hab‘ schon alles beleidigt, was bei Drei nicht auf den Bäumen ist“, sagt Ingo Appelt über sich. Ein Blatt vor den Mund nimmt der Comedian auch in Marburg nicht. Wie ein Wasserfall sprudeln aus ihm die Zoten und das Publikum hängt vor Lachen schief in den Sitzen. Quer durch den Saal zieht sich der Lachkrampf, der nach und nach ein neues weibliches Opfer zu finden scheint.

Humor sei für Männer eh eine wichtige Eigenschaft, um bei den Frauen zu landen, so Appelt. Allerdings hat er nach fast 24 Jahren Bühnenpräsenz gemerkt, dass Eigenhumor besser wirkt als Tittenwitze. „Ich war früher auch so eine Drecksau“, gibt der 49-Jährige zu und entschuldigt sich für sein „Ficken“-Schild seinerzeit bei der Comedy-Sendung „RTL Samstag Nacht“, wo er ab 1993 dem großen Publikum bekannt wurde.Ingo Appelt ist nicht mehr der freche 26-Jährige von damals. „Fünf Kilo Dreck am Mann“ habe er sich inzwischen auch zugelegt, kommentiert er seinen Bauch. Energie hat Appelt aber noch wie ein ganz Junger. Wie ein Wasserfall plappert er vor sich hin, hüpft von einem Thema zum nächsten und wieder zurück. Aufpassen ist für den Zuhörer wichtig, teilweise aber auch anstrengend. Aber wie soll man sonst noch wissen, wie der Witz von der Frau im Beichtstuhl angefangen hat, der fast zwei Stunden später zu Ende erzählt wird. Eigentlich sind die Ministrantenwitze nicht wirklich zum Lachen, wenn man mal ehrlich ist. Aber Appelt verpackt seinen schwarzen Humor so in seiner eigenen Art von Charme, dem gewissen Augenzwinkern und dieser rasanten Geschwindigkeit, dass sich kaum einer erwehren kann.

Trump ist "harte Drecksau"

A propos Drecksau - ein Wort, das Appelt wohl besonders gern hat. Ebenso die Themen Flüchtlinge, Nazis, die Deutschen und ihre Angst und eben Donald Trump. Der sei eine „harte Drecksau“, wie Appelt verkündet. Mit klassischem politischem Stand-Up beginnt er seinen Abend und diese Themen kommen auch im weiteren Verlauf immer wieder vor. Das eigentliche Hauptthema seines Programms - die Männer - kommt erst nach über einer halben Stunde dran. Sie sollen zum Dienstleister werden. Zur Kommunikation gibt er den Tipp sich an „Mhm - Ja - Hast Recht - Seh‘ ich genauso“ zu halten - oder gleich schwul zu werden. Nette Männer seien ja selten.

Je mehr Ingo Appelt darauf los quasseln kann, desto wohler fühlt er sich. Gleiches gilt für seine Paradedisziplin, die Parodien. Natürlich muss dann Herbert Grönemeyer ran. „Ich nehm‘ das persönlich, dass der mich so scheiße findet“, sagt Appelt. Aber auch Peter Maffay, Comedy-Kollegen Dieter Nuhr und Mario Barth sowie Bundeskanzlerin Angela Merkel werden imitiert - nicht nur letztere ausgesprochen gut getroffen.

Über eine halbe Stunde vergeht, nachdem Appelt merkt, dass eigentlich Zeit für das Ende des Abends sei. Aber er fühlt sich einfach wohl auf der Bühne und schafft es bis zur letzten Minute zu überraschen: Er zeigt, dass er Klavier spielen, mit seiner warmen Stimme auch Töne treffen kann und Liebeslieder auch mal ganz anders sein können. Das Publikum freut sich und bedankt sich am Ende mit langem Applaus.

von Mareike Bader

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