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Indie-Folk: Es darf getanzt werden

„Young Rebel Set“ Indie-Folk: Es darf getanzt werden

Ein weintrinkender Sänger, ein fast unerkannt gebliebener Schlagzeuger, das sich langsam steigernde Publikum und ein sehr vorsichtiger Fan: die gelungene Kombination für einen guten Rock-Abend.

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Matty Chipchase, Sänger von „Young Rebel Set“, feuert das Publikum im KFZ an.

Quelle: Dennis Siepmann

Marburg. F***! Wenn „Young Rebel Set“ auf der Bühne stehen, wird auch mal geflucht. Die sechs Musiker stammen aus Nordengland – eine Region, die für ihre rauen und trinkfesten Einwohner bekannt ist. Mit dem Weinglas in der Hand prostet Sänger Matty Chipchase am Freitagabend in die Menge. Er ist nicht gerade das, was man als „Plappermaul“ bezeichnen würde.

Ansprachen sind an diesem Abend auch nicht nötig – die Musik spricht für sich. Tanzbarer Indie-Rock mit allem, was dazugehört: Bass, Schlagzeug, zwei Gitarren und ein Piano. Und Chipchase ist auch nicht gekommen um zu reden, sondern zu singen. Und das tut er, im Gegensatz zu seinem breiten englischen Dialekt, klar und deutlich.

Kaum abwarten konnte es ein Großteil der KFZ-Zuschauer, die bereits in der Umbauphase dicht gedrängt und voller Erwartungen vor der Bühne ausharren, bis die Instrumente endlich erklingen. Der Frontmann genehmigt sich den ersten Schluck Rotwein und los gehts. Wer sich am Anfang noch etwas hüftsteif im Takt wiegte, wurde allerspätestens bei der Zugabe von den Engländern eingefangen.

„Der gehört zur Band“

Zu Beginn muss das Marburger Publikum jedoch erst einmal wach werden. Chipchase und seine Bandkollegen spielen schnörkellos. Auch halten sie nichts davon, mit den „Hits“ bis ganz zum Schluss zu warten. Chart-Erfolge wie „Lions mouth“ oder „If I was“ werden nicht lange aufgespart.

Wenn man sich als Schreiberling an der Kasse mit Namen vorstellen muss, ist das nichts Besonderes. Etwas kurios wirkt es jedoch, wenn Luke Evans, Schlagzeuger der Band, ebenfalls am Eingang gefragt wird, wer er denn sei und ob er denn einen Stempel habe. Es ist eine nette Anekdote des Abends, die aber gleichzeitig beruhigend wirkt. Es gibt keine Beweihräucherung – keinen gekünstelten Hype um die Musiker. Und die Band scheint das auch zu genießen – die ehrliche Rückmeldung des Publikums, das im Laufe des Abends immer mehr Spaß am Auftritt der Briten findet und dies auch offen zeigt.

Gut gelaunt und voller Spiellaune präsentierte sich am Freitagabend die englische Band "Young rebel set" im KFZ.

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Das Schunkeln geht irgendwann in Tanzen über und plötzlich steht sogar ein weiblicher Fan auf der Bühne. Was folgt ist der vielleicht vorsichtigste Bühnensprung aller Zeiten – aber auch das passt irgendwie zum Abend. Alle passen aufeinander auf. Die Freude in den Gesichtern und das gemeinschaftliche Mitsingen dürfte auch dazu beitragen, dass die Band Marburg in guter Erinnerung behalten wird.

Von den Fähigkeiten des sechs Musiker war auch schon Thees Uhlmann überzeugt. Vor dem Rechner stöberte der Tomte-Sänger und mittlerweile auch als Solokünstler erfolgreiche Indie-Rocker nach Musik. Mit Begeisterung blieb er bei den Briten hängen. Er reiste nach England. Wenig später stand die Band bei dem von Uhlmann mitbegründeten Label „Grand Hotel van Cleef“ unter Vertrag. Ein Glück für alle deutschen Fans, die die Band seither öfter zu Gesicht bekommen

von Dennis Siepmann

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