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In bunten Kostümen ins 16. Jahrhundert

Canticum Antiquum In bunten Kostümen ins 16. Jahrhundert

Das Vokalensemble Canticum Antiquum zeigte viel Gefühl bei der Madrigalkomödie „Die Nachtwachen von Siena“. Über 180 Zuhörer wurden in die Welt Italiens im 16. Jahrhundert entführt.

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In prächtigen Kostümen führten die Sängerinnen und Sänger des Canticum Antiquum im Fürstensaal eine Madrigalkomödie auf. Foto: Thorsten Richter)

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. „Le veglie di Siena - Die Nachtwachen von Siena“ von Orazio Vecchi ist an sich ein sehr umfangreiches Werk. Vollständig aufgeführt, würde es fast eine ganze Nacht andauern. Die Sänger und Sängerinnen vom Canticum Antiquum hatten einige Szenen zu einer Madrigalkomödie zusammengestellt. Die Madrigalkomödie ist eine Art Vorform der Oper, allerdings mit Chorgesang im Madrigalstil. In seiner „Veglie“ versuchte Orazio Vecchi „durch Komik zu erheitern, dem ernsten Stil Zwanglosigkeit zu geben und durch Possen und Tanz zu bereichern.“

Die Madrigalkomödie des Canticum Antiquum war in vier Akte aufgeteilt. Die theatralischen Zwischenstücke und auch die Moderation von „Principale“ Ele Grau orientierten sich dabei immer an den Werken dieser Akte. Im ersten Akt drehte sich alles um den zerstreuten Sizilianer Signor Stordito, im zweiten Akt war es Signora Laura. Die Gestalt der Laura war ein Merkmal der Liebeslyrik des italienischen Dichters Francesco Petrarca, dessen Werke bis ins 17. Jahrhundert die Komponisten beeinflussten. Nach dem dritten Akt, in dem sich Signora Emilia als Franzose Francese verkleidet, wurde im vierten Akt ein Wettbewerb des Humors aufgerufen.

Der Fürstensaal im Schloss war stilvoll dekoriert mit einem schönen Bühnenbild. Auch die Beteiligten auf der Bühne waren mittelalterlich kostümiert. Bei den männlichen Sängern waren eher die Hüte auffallend, einige Sängerinnen dagegen trugen besonders schöne Kleider. Sogar Chorleiterin Brigitte Krey trug ein schön verziertes, schwarzes Gewand.

Die Chorwerke waren unterschiedlich stark besetzt. Das erste Stück des Abends „Hor che la vegghia è numeros’assai“ wurde vom gesamten Chor gesungen. Hier zeigten die Sänger und Sängerinnen gleich viel Feingefühl und spielten mit unterschiedlichen Lautstärken. Andere Werke wurden nur von einem Teil, also von einer Ripieno-Besetzung gesungen, die immer wieder anders stark besetzt war.

Bei „Che fai, Laura, che pensi?“ im zweiten Akt verschlungen sich die vier Stimmen wunderschön ohne die Textverständlichkeit einzubüßen. Großen Applaus ernteten die beiden von Monteverdi komponierten Soli im vierten Akt von Lisa Werthmann-Resch und von Franziska Löhner.

Die 24-jährige Studentin von Brigitte Krey ist erst seit einem Jahr Sängerin beim Canticum Antiquum. Ihre junge, frische Stimme passte wunderbar zu ihrem Stück „Eri già tutta mia“. Begleitet wurde das Ensemble durch Yoshio Takayanagi an Theorbe, Laute und Barockgitarre. Nach dem gelungenen Konzert wurde zusammen bei zeitgenössischem Buffet das 30-jährige Bestehen des Canticum Antiquum gefeiert.

von Mareike Bader

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