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Improvisationstalente wirbeln durch Waggonhalle

Spontanität und kreatives Chaos Improvisationstalente wirbeln durch Waggonhalle

Was haben Maultaschen und Schwangerschaftstests miteinander zu tun? Eigentlich nichts, es sei denn man sitzt im Improvisationstheater bei den „Matschbirnen“.

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Ein Heidenspaß für große Kinder: Die „Matschbirnen“ in der Waggonhalle.

Quelle: Bettina Preussner

Marburg. Martin Esters, Leiter der „Matschbirnen“, kündigte den siebten Auftritt der studentischen Theatergruppe an: Dieses Mal sollte es ein großer Wettkampf werden, ein harter Kampf „bis zum bitteren Ende“. Zwei Spielgruppen traten gegeneinander an, und das Publikum sollte entscheiden, welches der beiden Ensembles das bessere ist. Die Kandidaten: die Truppe „Komatöse Dunkelheit“ gegen die „Flummi-Essenz“.

Los ging es noch recht übersichtlich mit dem Stichwort „Maultaschen“, das von den ­Zuschauern hereingerufen ­wurde. Daraus entwickelte sich­ ­eine witzige Gangster-Geschichte, die nach allerlei Verwicklungen in einem spontanen Mord endete.

Darsteller zeigten völlig verdrehte Western-Szene

Schon schwieriger wurde es bei der Darstellung von Emotionen. Was sich aus den Stichworten Verwirrung, Lust, Ekel und Herrentoilette entwickelte,­ kann man sich in etwa vorstellen. Etwas schwer taten sich die meist jungen Darstellerinnen und Darsteller in diesem Zusammenhang allerdings mit dem Stichwort Lust.

Völlig verdreht wurde es bei der Aufgabe, Szenen in verschiedenen Genres wie Horror, Western oder Rap darzustellen. Das endete mit einer Western-Szene, in der zwei schießwütige Helden nicht mit Pistolen, sondern mit Schwangerschaftstests aufeinander zielten.

Sehr witzig war auch das Spiel „Der Tod der Dichter“. Aus Stichworten mussten die Akteure auf der Bühne spontan eine weitschweifige Fantasie-Geschichte­ zusammenspinnen. Aber sobald sie einen Fehler machten, wurden sie vom Publikum mit dem Bann „Stirb“ belegt und mussten ausscheiden.

Dem Spielleiter entglitten die Fäden gelegentlich

Improvisationstheater, das ist eine Kunstform, die viel verlangt von den vierzehn Schauspielerinnen und Schauspielern. Zuallererst war natürlich Spontanität gefragt, daneben Lockerheit, Fantasie, Wortwitz und überbordende Spiellust. Man musste die Truppe bewundern, wie gekonnt sie auf die Impulse aus dem Zuschauerraum reagierte und sie immer wieder in witzige und anregende Szenen umsetzte.

Martin Esters versuchte, die Fäden in der Hand zu behalten und den Überblick zu bewahren. Das gelang nicht immer, was aber gar nicht schlimm war. Denn so entwickelte sich ein herrliches, kreatives Chaos, und man hatte das Gefühl, es sei alles möglich. Die Freiheit der Kunst, hier war sie mit Händen zu greifen. Weil das Publikum sehr gut mitmachte, entstand eine offene und lockere Atmosphäre, ­alle amüsierten sich bestens, und bald war die Stimmung auf dem Höhepunkt.

Und schließlich hatte man den Eindruck: Improvisationstheater, das ist ein Heidenspaß für große Kinder – auf der Bühne und auch davor. Wer von den beiden Spielteams gewonnen hatte, war am Ende nur Nebensache.

von Bettina Preussner  

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