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Improvisationen aus Klang und Licht

Konzert Improvisationen aus Klang und Licht

Einen meditativen Ausklang des Stadtfestes bot das Duo Moving Sounds seinem konzentriert lauschenden Publikum in der Lutherischen Pfarrkirche.

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Startrompeter Markus Stockhausen und Klarinettenvirtuosin Tara Bouman erfüllten die illuminierte Pfarrkirche mit den leuchtenden Klangfarben ihrer Instrumente.Foto: Manfred Schubert

Quelle: Manfred Schubert

Marburg. Ankündigung, Applaus. Doch wo bleiben die Künstler? Das Podest vor dem Altarraum bleibt leer. Plötzlich, immer deutlicher, ein Ton. Es ist kaum möglich, ihn genau zu verorten, irgendwo zwischen den in Regenbogenfarben beleuchteten Säulen, Wänden und Decken kommt er her. Einige der etwa 650 Zuhörer in der Pfarrkirche drehen die Köpfe, schauen suchend um sich.

Von hinten ziehen sie dann spielend durch die beiden Seitenschiffe ein, Startrompeter Markus Stockhausen unter der Empore, die niederländische Klarinettenvirtuosin Tara Bouman auf der gegenüberliegenden Seite.

Kaum möglich also, sich durch Blickkontakt aufeinander abzustimmen. Das ist auch nicht nötig, denn seit der Gründung im Jahre 2002 ist das Duo „Moving Sounds“ spezialisiert auf Konzerte an Orten mit besonderer Akustik, die durch eine spezielle Lichtinszenierung auch optisch anders als gewöhnlich erscheinen.

Stücke leben vor allem von der Improvisation

„Es klingt phantastisch“, sagte Stockhausen und wies auf den Kirchenraum, nachdem der Applaus für das Einzugsstück verebbt war. „90 Prozent unserer Musik sind Improvisationen. Wir lassen uns inspirieren von Ihrer Anwesenheit und dem Ort“, erklärte er und benannte das dem nächsten Stück zugrunde liegende Thema, „Belfor“.

Dazu wechselten beide die Instrumente, von Flügelhorn und Klarinette zur einen noch stärkeren Kontrast bildenden Trompete und Bassklarinette. Meist ruhige, fließende, weich ineinander übergehende Klänge, dazwischen raschere auf- und absteigende Tonfolgen, dann wieder einander umspielende Noten. Aber stets bewusst gesetzt, nie ausufernd, mit vielen Pausen, die Gelegenheit bieten, den gerade gehörten Ton und seinen Nachklang im Raum zu erfassen und auf sich wirken zu lassen.

Bei der „Serenade“ brachte Stockhausen die Piccolo-Trompete zum Einsatz, teils mit tremolierenden Sequenzen, teils mit einzelnen Rufen, auf die die Bassklarinette wie ein Echo antwortete. Langsame langgezogenen Töne bestimmten dagegen das Thema „Mater dolorosa“.

Dann etwas ganz anderes. „Es ist ein Erlebnis für mich, dieses Becken aus dem asiatischen Raum mit seinen besonderen Obertönen zu spielen“, sagte Stockhausen. Viele folgten seiner Einladung und versuchten, sich mit geschlossenen Augen dem meditativen Klang zu öffnen. Und als Schlussstück „Dialog“, nochmals mit verteilten Standorten. Tara Bouman begann unter der Orgelempore und spielte sich durch den Mittelgang langsam wieder bis zum Altarraum zurück. Die begeisterten Zuhörer erklatschten sich natürlich eine Zugabe. Eine Besucherin dankte anschließend Markus Stockhausen für das Erlebte mit den Worten: „Es war ein Universum.“

Von Manfred Schubert

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