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Im Tod mit der Tochter vereint

Debbie Reynolds und Carrie Fisher Im Tod mit der Tochter vereint

Ihre Filmkarriere ließ Debbie Reynolds wenig Zeit für ihre Kinder. Ihre Tochter Carrie ging auf Distanz und es brauchte Jahre, um die verpasste Nähe zwischen Mutter und Tochter nachzuholen. Nun sind sie kurz hintereinander gestorben.

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Debbie Reynolds (links) wurde mit Hollywood-Musikfilmen wie „Singin‘ in the Rain“ berühmt. Sie starb wenige Stunden nach ihrer Tochter Carrie Fisher.

Quelle: UPI, Tracey Nearmy

Los Angeles. Nachdem Tochter Carrie Fisher im Alter von 60 Jahren am Dienstag an den Folgen einer Herzattacke starb, verging nur eine Nacht, ehe Mutter Debbie Reynolds im Alter von 84 Jahren folgte. Es ist ein doppelter Schicksalsschlag für Hollywood und für den hinterbliebenen Sohn beziehungsweise Bruder Todd Fisher, der nun das Ableben seiner zwei engsten Verwandten verarbeiten muss.

Mutter und Tochter waren sich keineswegs immer grün, was vor allem an der steilen Karriere der in Texas geborenen Reynolds lag. „Ich fand es zugegebenermaßen schwierig, meine Mutter mit ihren sie anbetenden Fans zu teilen, die sie behandelten, als sei sie Teil ihrer Familie“, sagte Fisher 2015 bei einer Preisverleihung. Die Beziehung verlief über Jahre kompliziert und von Schmerz erfüllt.

Amerikanisches Sweetheart

Im Alltag von Reynolds, die ihre Laufbahn trotz der Abwesenheit von Vater Eddie Fisher mit Vollgas vorantrieb, blieb für die beiden Kids wenig Platz. Das Familienleben drehte sich um die berühmte Mama, die Kinder feierten manche Geburtstage im Hof der Metro-Goldwyn-Mayer-Studios. So überraschte es kaum, dass Fisher als Teenager in der Partyszene von Los Angeles abtauchte, Marihuana rauchte und auch mit härteren Drogen wie Kokain, Heroin und LSD hantierte. Auf der Suche nach ihrer eigenen Identität distanzierte sie sich weiter, fast zehn Jahre lang hatten die beiden kaum Kontakt. Mutter und Tochter arrangierten sich eigenen Aussagen zufolge erst spät im Leben, als die Zeit die Wunden geheilt hatte.

Auf der Leinwand war Debbie Reynolds das freundliche Mädchen von nebenan, Volkes Liebling mit dem passenden Spruch auf den Lippen. Mit Blick auf den Musikfilm gab es fast nichts, was sie nicht konnte. Ob sie im Stepptanz trippelnd oder zu Rock‘n‘Roll wirbelnd durch das Kamerabild sauste – jeder Schritt, jede Körperbewegung, jede Geste schien perfekt gesetzt. Mal tief betrübt, mal quietschvergnügt wurde sie zum Liebling des amerikanischen Kinopublikums.

Mit „Singin‘ in the Rain“ (1952), in dem Gene Kelly singend und liebestrunken durch Pfützen tänzelt, entstand eine der berühmtesten Szenen in der Geschichte des Musicals. Reynolds war ein Star. 18 Jahre war sie alt, als sie diese wohl wichtigste Rolle ihres Lebens bekam – und trotz ihres Tanzunterrichts brachte sie der Film an ihre Grenzen. Noch Jahrzehnte später erklärte sie, sich an den Schmerz der dreimonatigen Tanzproben erinnern zu können, der ihre Füße bluten ließ.

Obwohl Reynolds in Dutzenden Filmen mitwirkte und sich auch an Komödien und Thriller wagte, blieb der Musikfilm ihre große Stärke. Darunter waren etwa „Scheidung auf Amerikanisch“ (1966) und „Goldgräber-Molly“ (1963), der ihr sowohl eine Nominierung für einen Oscar als auch für einen Golden Globe einbrachte. Mit dem Titelsong zum gleichnamigen Film „Tammy“ (1957) holte sie eine Goldene Schallplatte.

Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere war Reynolds nicht nur ein Kassenmagnet, sondern stets auch das freundliche Mädchen von nebenan, ein amerikanisches Sweetheart. Auch durch Auftritte im Fernsehen und in Musicals am Broadway erhielt Reynolds Beachtung, in „Bodyguard“ (1992) spielte sie an der Seite von Kevin Costner. Durch ihr Charisma zog sie auch in Nebenrollen die Aufmerksamkeit auf sich, doch ihre späteren Projekte reichten an die glänzende Zeit des unbeschwerten Musicals nicht mehr heran.

Prinzessin Leia in der Reihe „Star Wars“ war ihre Paraderolle. Nach Abenteuern im Weltraum ist das Leben von Carrie 
Fisher ( rechts, mit ihrer Mutter, Foto: Paul Buck) nun zu Ende. Sie 
erlag den Folgen eines Herzinfarkts.

Die aus den „Star Wars“-Filmen bekannte Schauspielerin Carrie Fisher ist im Alter von 60 Jahren gestorben. Das meldeten am Dienstag US-Medien, darunter der Sender CNN unter Berufung auf die Familie.

Fisher hatte vor wenigen Tagen bei der Rückkehr von London nach Los Angeles im Flugzeug eine Herzattacke erlitten. „Die Welt hat sie geliebt“, heißt es in einem Statement ihrer Tochter Billie Lourd, die ebenfalls als Schauspielerin arbeitet. Der Herzinfarkt hatte sich etwa 15 Minuten vor der Landung in Los Angeles ereignet. Sanitäter machten nach der Landung der Maschine Wiederbelebungsversuche. Fisher war als 19-Jährige durch ihre Rolle als Prinzessin Leia in „Star Wars“ bekannt geworden. 2015 kehrte sie in „Das Erwachen der Macht“ in ihrer Paraderolle auf die Leinwand zurück.

Die Tochter des Sängers Eddie Fisher (1928-2010) spielte auch in Filmen wie „Blues Brothers“ und „Harry und Sally“ mit. Sie veröffentlichte acht Bücher, darunter erst kürzlich ihre Autobiografie „The Princess Diarist“.

von Johannes Schmitt-Tegge und unserer Agentur

 
 
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