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Im Bann des Echsenkönigs

Landestheater-Reihe „Wilde Schwäne“ Im Bann des Echsenkönigs

Die Eröffnungsveranstaltung am Wochenende wartete mit einer hochklassigen Actionlesung auf und verkörperte 
den Geist der „Wilden Schwäne“: spontane 
Unterhaltung.

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Arne Nobel, Regisseur aus Bochum, schlüpfte zum Auftakt der „Wilden Schwäne“ in die Rolle des verstorbenen Rockstars Jim Morrisson.

Quelle: Benjamin Kaiser

Marburg. Freitag, 19 Uhr: Arne Nobel, Regisseur aus Bochum, und Lene Dax vom Ensemble des Hessischen Landestheaters, sehen sich zum ersten Mal in ihrem Leben.

Zwei Stunden später sorgen sie Seite an Seite bei der Actionlesung „The Lizard King“ im Ladenlokal Kratz in der Marburger Oberstadt für einen gelungenen Auftakt der „Wilden Schwäne“. „Dass eine solche kaum geprobte Lesung funktionieren kann, zeigt, welche Spontanität Theater haben kann“, meint Nobel. Am Ende gab es begeisterten Applaus für Nobel und Dax in dem kleinen Raum.

„Es muss nicht immer das von langer Hand geplante und geprobte Stück sein“, meint Nobel und fügt hinzu, dass dies eine Parallele zu Jim Morrison, Frontmann der einstigen Kultband „The Doors“, sei, der im Zentrum des Abends stand: „Morrison hat dauernd improvisiert.“

Schreibblockade folgt 45 Minuten Text

Zeit seines Lebens schrieb Morrison selber Gedichte, die die Fans von „The Doors“ auf Konzerten zu hören bekamen. In einem seiner Gedichte führte er den „Lizard King“, den „Echsenkönig“ als Ich-Erzähler ein. Seitdem trug er in Fankreisen den Spitznamen „Lizard King“.

Nobel wandelte mit dem selbstgeschriebenen Text sowohl auf den künstlerischen als auch auf den biografischen Spuren von Morrison. „Verdammt nochmal! Ich bin in L.A. und kann nicht mehr schreiben“, sagte er nach einigen Minuten. Schreibblockade? Es folgen 45 Minuten Text. Ein Widerspruch in sich.

Die Lesung entpuppte sich als Reise durch die Schluchten und Bergspitzen von Morrisons Leben: Paranoia, Euphorie, Geborgenheit, Enttäuschung und Erfüllung sexueller Fantasien.

Nobel entpuppte sich nicht nur als guter Leser, sondern er brachte mit seiner rauen und rauchigen Stimme die Emotionen eines psychisch und physisch verbrauchten Menschen ausgezeichnet herüber. Hinzu kam das passende Outfit: weißes Unterhemd, Sonnenbrille mit goldfarbenem Rand und angefeuchtete Haare.

Reihe endet am 6. Februar

Die Darbietung war vorwiegend Monolog aber auch ein wenig Dialog. Wie Hamlet hatte auch Morrison eine Frau an seiner Seite – Pamela Carson (gesprochen von Lene Dax). Wie ein kleines Kind, das nicht weiß, was es vor sich hat, spielte sie mit einer Pistole, ließ sie wie hypnotisiert durch ihre Finger gleiten, bevor sie den Abzug betätigte.

Den Abend ließ sich auch Matthias Faltz, Intendant des Hessischen Landestheaters, nicht entgehen: „Wir wollen mit den Wilden Schwänen gutes Programm außerhalb des Landestheaters bieten.“

Das Programm der „Wilden Schwäne“ dauert noch bis zum 6. Februar und besteht aus Lesungen, Konzerten, Theater im kleinen Rahmen des Ladenlokals Kratz. Für die einzelnen Veranstaltungen zeichnet Dramaturg Simon Meienreis verantwortlich. „Es sind meist kleine Projekte der Schauspieler des Landestheaters. Wir bieten eine Gemischtwarentüte – mal etwas Kleines, mal etwas Großes, mal ungeprobt, mal geprobt“, erklärt er.

Diesen Donnerstagabend stellt Julia Glasewald ab 20 Uhr das Buch „Afghanistans verborgene Töchter“ vor. Es geht um Familien, die ihre Töchter als Jungen verkleiden, um ihnen zumindest für kurze Zeit ein freieres Leben zu ermöglichen.

Im Anschluss verrät Viktoria Schmidt ab 22 Uhr Humus-Rezepte. Eintritt frei.

von Benjamin Kaiser

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