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Marburger Kabarettherbst: Severin Groebner Ihr da oben, wir hier unten

Zum Abschluss des 17. Marburger Kabarettherbstes präsentierte Severin Groebner am Freitag eine gekonnte Mischung aus Blödelei und harscher Gesellschaftskritik. Dem Publikum im KFZ hat es bestens gefallen.

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Kritisch und bitterböse: Severin Groebner liest den Herrschenden die Leviten.

Quelle: Bettina Preussner

Marburg. Zuerst wundert sich Severin Groebner: „Wie kann man nur in ein Kabarett gehen, das einen solchen Titel trägt: ‚Vom kleinen Mann, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf g‘schissen hat‘?“ Ja, wie kann man nur? Man konnte, und man hatte sogar seinen Spaß dabei.

Der kleine Mann ist immer der Dumme, und der kleine Mann kriegt immer alles ab. Das ist das Mantra des Kabarettisten aus Österreich. Und das ist auch der rote Faden, der sich durch die Geschichte zieht, die Groeb­ner an diesem Abend mit vielen Abschweifungen erzählt: Irgendjemand will ihm seinen geliebten Park wegnehmen, den einzigen Ort, an dem er sich vor der lauten und lieblosen Welt verstecken kann. Stattdessen soll ein hässlicher Klotz auf die grüne Wiese gepflanzt werden, ein Shopping-Center, ein Konsumtempel, in dem es alles gibt, was wirklich niemand braucht. Und das will Groebner natürlich auf jeden Fall verhindern.

Im Laufe der Geschichte schlüpft der Kabarettist mühelos in viele verschiedene Rollen und kommt immer wieder vom Hundertsten ins Tausendste. Da gibt es den Kumpel, der immerzu vom „1. FC-Klassenerhalt“ schwadroniert, da gibt es den Bauunternehmer, der von seinem Hobby „Zwergenwerfen“ träumt, und da gibt es den Politiker, dem die Lobbyisten seine Reden einflüstern, und dessen „Hackfresse“ von jedem Plakat herunterlächelt.

„Die Revolution der Reichen“

Es geht um Korruption und Prostitution, um Betrug und 
Erpressung, um die Dummheit des Volkes und die Kälte der Herrschenden. „Die Leute wollen verarscht werden“, heißt es da, und: „Das Geld ist nicht weg, jetzt hat es nur jemand anderes.“

Dabei tobt und kaspert der Kabarettist wie ein Derwisch über die Bühne, zieht die tolls­ten Grimassen, redet in einem fort und regt sich so richtig auf. Er braucht keine Requisiten, um zu wirken, nur sein Gesicht und seinen Körper, einen Tisch und einen Stuhl und ein paar Töne aus dem Lautsprecher.

Einer der Höhepunkte des Abends ist Groebners Persiflage auf die Wahlkampfrede eines Politikers. Zu Beginn der weitgehend sinnfreien Ansprache begrüßt er die Zuhörer noch höflich mit „liebe Damen und Herren“, später wird „liebe Därme und Hirne“ daraus, bis er schließlich bei „liebe Lahme und Irre“ und „liebe Hehlerinnen und Hehler“ gelandet ist.

Im zweiten Teil des Abends wird es dann immer politischer. Sein Jugendfreund ist zum steinreichen Lobbyisten aufgestiegen und freut sich, dass für ihn alles bestens läuft. „Wir können tun und lassen, was wir wollen“, schwärmt er ungeniert. Und: „Die Revolution hat längst stattgefunden. Die Revolution der Reichen.“

Auch wenn die zweite Hälfte 
der Show stellenweise etwas langatmig geriet, waren die Zuschauer doch sehr begeistert. Nach mehr als zwei Stunden Kabarett bedankten sie sich mit stürmischem Beifall bei dem Künstler aus Österreich und ließen ihn erst nach einer Zugabe gehen.

Severin Groebner, der seit mehr als 20 Jahren auf der Bühne steht, wurde 2013 mit dem Österreichischen Kabarettpreis ausgezeichnet.

von Bettina Preussner

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