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Ich wollt, ich wär ein Huhn

Theater-AG der Elisabethschule spielt Dürrenmatt Ich wollt, ich wär ein Huhn

Was haben Hühner mit der Weltgeschichte zu tun? So einiges, wie die Theater-AG der Elisabethschule in der Komödie „Romulus der Große“ zeigte. Am Mittwoch war Premiere in der brütend-heißen Waggonhalle.

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Gack, gack, gack: In „Romulus der Große“ geben die vier Hühner im Hintergrund ständig ungefragt Kommentare ab, während vorne Weltgeschichte verhandelt wird.

Quelle: Bettina Preussner

Marburg. Dieser Romulus ist ein sonderbarer Kauz. Er ist zwar Kaiser von Rom, aber ihn interessiert nur eines: seine Hühner. Es ist das Jahr 476 nach Christus, die Germanen stehen vor den Toren, aber was tut der Kaiser? Er frühstückt. Er freut sich zusammen mit seinem Hofstaat über das frisch gelegte Ei seines Lieblingshuhns, der Krieg interessiert ihn herzlich wenig.

Ruhm und Ehre sind ihm schnuppe, er setzt dem Kampfgeist der Weltgeschichte seine unendliche Faulheit entgegen. Aber bald wird klar, dass Romulus in Wirklichkeit ein ganz anderes Ziel verfolgt: Durch seine Passivität will er das verderbte Rom in den verdienten Untergang schicken.

Mit Friedrich Dürrenmatts „Romulus der Große“ hat die Theater-AG der Elisabethschule unter der Leitung von Tobias Purtauf ein sehr witziges und temporeiches Stück auf die Bühne gebracht, das auch politische Fragen aufwirft. Es geht um die Verantwortung der Regierenden, um Krieg und Frieden und um die Rolle des Staates selbst.

Hühner gackern in die Weltpolitik hinein

Die unterhaltsame Inszenierung lebt natürlich zu allererst vom verblüffend gekonnten und engagierten Spiel der Schülerinnen und Schüler. Alle sind mit vollem Einsatz dabei, man merkt ihnen die Freude am Spielen an. Hinzu kommen die vielen originellen Ideen. Da ist einmal das Motto des Abends „Wir brauchen mehr Eier“, ausgesprochen von Oliver Kahn, dem vermeintlichen „Philosophen“.

Dann gibt es vier Hühner, die die Schüler in Dürrenmatts Komödie eingebaut haben. Sie sitzen in einer Art Guckkasten hoch oben und gackern ihre unmaßgeblichen Kommentare auf die Bühne herab. Und da ist schließlich Romulus selbst, verteilt auf vier verschiedene Darsteller, der sich auf dem Thron herumlümmelt, seine Hühner hätschelt und keine Lust zu gar nichts hat.

Immer wieder stellt das Stück auch aktuelle Bezüge her. Als Retter Roms tritt ein Hosenfabrikant auf, der aber nur eigene Interessen verfolgt, eine klassische „Heuschrecke“ also. An anderer Stelle heißt es: „Täglich sterben 1000 Menschen, und wir eiern hier nur rum.“ Oder: „Niemand ist mehr sicher in der Welt.“

Musikeinlagen zwischen den Szenen

Zum Gelingen der Inszenierung tragen auch die Kostüme und das Bühnenbild bei. Die Darsteller haben allesamt Röcke an, eine Analogie an die römischen Togen. Darüber tragen sie je nach Bedarf auch mal Schlips, Kragen und Zylinder. Romulus ist in einen roten Bademantel gehüllt, denn was passt besser zu einem Mann, der seine Tage am liebsten mit Müßiggang verbringt.

Das Bühnenbild ist schwarz und reduziert. Nur ein paar hohe Tische und Stühle sowie schlanke Säulen mit Kunstwerken darauf sind zu sehen, auf dem Boden rollen jede Menge Plastikeier herum. Zwischen den einzelnen Szenen gibt es immer wieder Musikeinlagen. Die Schüler greifen selbst zu Gitarre und Mikrofon und geben kurze, fetzige Lieder zum Besten.

Das Publikum in der ausverkauften Waggonhalle war begeistert und dankte den jungen Darstellerinnen und Darstellern auf der Bühne mit stürmischem Applaus. Allerdings war es unglaublich heiß in der Halle, was das Vergnügen etwas schmälerte. Weitere Aufführungen von „Romulus der Große“ gab es am Donnerstag und Freitagabend.

von Bettina Preussner

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