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„Ich schwöre, so wahr mir Geld helfe“

Arnulf Rating im KFZ „Ich schwöre, so wahr mir Geld helfe“

Zielsicher und scharfsinnig legte Kabarett-Urgestein Arnulf Rating als Dr. Mabuse am Freitag im KFZ sein verbales Sezierbesteck an den kranken Stellen unserer Gesellschaft an.

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Arnulf Rating als Schwester Hedwig.Foto: Schubert

Quelle: Manfred Schubert

Marburg. „Wir lachen, obwohl man eigentlich manchmal weinen müsste, so viel Wahrheit steckt in dem, was Rating sagt“, fand ein älterer Zuhörer.

Zum Glück blieb es bei einigen Tränen des Lachens, die im Laufe des Abends den gut 180 Besuchern in die Augen traten. Und das, obwohl Arnulf Rating in zweieinhalb Stunden Hochgeschwindigkeitskabarett so viele Wahrheiten und wahre Bosheiten in rhetorisch geschliffener Form, manchmal in ellenlangen Alliterationen, vortrug, dass einem schwindlig werden konnte.

„Wir haben anstrengende Zeiten hinter uns, wir mussten wählen. Das ist sehr schwierig, viele sagen auch, der Trog sei der gleiche, nur die Schweine wechseln“, befand Rating zu Beginn. Bald würden wir den Eid derer hören, die meistens nur wenige Monate im Amt sein werden: „Ich schwöre, am deutschen Volk zu verdienen, so wahr mir Geld helfe“.

Und er freute sich, dass in dieser abgelegenen Gegend Deutschlands so gute Stimmung im Saal herrschte. Allein vom Wetter her frage man sich, warum diese Region überhaupt von Menschen besiedelt wurde. Ein einstimmiges „Buh“ war die Antwort, allerdings von viel Gelächter durchsetzt.

In einer kleinen Presseschau nahm der Kabarettist die Schlagzeilen verschiedener Zeitungen aufs Korn, darunter die Oberhessische Presse. Die sei etwas kleiner im Format, er kaufe sie aus Solidarität, weil junge Menschen die Schrift schon gar nicht mehr lesen könnten. Auch sonst bezog er immer wieder Lokales in sein Programm ein. So wurden der Bahnhof und die Rhön-Klinik mit spöttisch-zynischen Anmerkungen gewürdigt.

Hauptsächlich zu Beginn und am Ende trat Rating als er selbst auf, dazwischen schlüpfte er in verschiedene Rollen: Dr. Mabuse, der versucht, seine neue Privatpraxis allen Widrigkeiten des Gesundheitssystems zum Trotz am Laufen zu halten. Und glasklar diagnostiziert: Deutschland ist krank. Schuldenberge wachsen wie Metastasen überall, unbegrenztes Wachstum. Krebs. „Der Patient ist fast beruhigt, wenn er erfährt, dass er ständig zur Kontrolle von englischen und amerikanischen Spezialisten abgehört wird. Wir sind kurz vor dem Kollaps und in dieser Situation vertraut der verstörte Patient der beruhigenden Wirkung seines bewährten Hausarztteams um Dr. Merkel und ihren Assistenten Gauck. Denn beide genossen eine exquisite Fachausbildung in der geschlossenen Abteilung der evangelischen Komaklinik DDR“, erläuterte er.

Ihm assistierte die treue Schwester Hedwig, die nur zu gerne sämtliche Politiker einweisen lassen würde.

Als Investor Fred Ferkelmann etwa repräsentierte er einen Vertreter einer Gruppe, die ihren Beitrag zum Elend der Republik leiste. Mit gewiefter Rhetorik gelingt es diesem Ferkelmann, Dr. Mabuse seine Praxis abzuschwatzen, um sein auf der „Heuschreckenschule“ erworbenes Wissen zum eigenen Gewinn umzusetzen. Mabuse bleibt die Erkenntnis, dass Investoren zwar investieren, aber vorwiegend in die eigene Tasche. Hätte er nur auf seine Großmutter gehört, die zu sagen pflegte: „Wenn du wissen willst, was Gott von Geld hält, dann schau dir die Leute an, denen er es gibt.“

von Manfred Schubert

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