Volltextsuche über das Angebot:

7 ° / 1 ° Regenschauer

Navigation:
„Ich fühle mich erstaunlich gut“

26-stündiger Theater-Marathon „Ich fühle mich erstaunlich gut“

Heller Wahnsinn oder aufopferungsvolle Kunst? Die Frage drängt sich auf im Falle des jüngsten Projekts des Fast-Forward-Theatre. Von Freitag bis Samstag spielten sie im KFZ 26 Stunden am Stück.

Voriger Artikel
Marburg rockt!
Nächster Artikel
Unichor präsentiert „Vom Morgen bis zum Abend“

Samstagabend, 22 Uhr: Die Darsteller sehen nach 26 Stunden Schauspiel etwas erschöpft aus, stehen aber noch und können sogar lächeln. Regisseur Martin Esters tragen sie auf ihren Händen – der hat als einziger komplett durchgehalten

Quelle: Marcus Hergenhan

Marburg. Die Darsteller des Fast-Forward-Theater müssen leidensfähig sein: 26 Stunden improvisiertes Theater – fast am Stück, von 20 Uhr am Freitag bis 22 Uhr am Samstag. Da die einzelnen Episoden der Handlung rund um den mystischen Ort Pin Tweaks, nur durch kurze Pausen unterbrochen werden, führte das natürlich zu einem gehörigen Schlafdefizit bei den Darstellern. „Also wir haben uns alle abwechselnd so etwa ein- bis eineinhalb Stunden hingelegt, aber unser Regisseur Martin Esters hat komplett durchgezogen,“ erklärte Schauspielerin Antje Keßler.

Wie bei einem Improstück nicht unüblich, gab Esters dabei nur kurze Einleitungen in die Szenen und spielte auch selbst mit. Der Handlungsverlauf gestaltete sich dementsprechend eigenwillig, ebenso die Figurenentwicklung. Da gab es etwa Sam Sport (Tom Gerritz), nach eigener Aussage „Berufskiller vom ersten Ausbildungsweg her“. Der kam nach Pin Tweaks, um mit Frau und Kindern seinen Frieden zu finden, landete stattdessen in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung und kann noch immer nicht vom Schießeisen lassen.

Im Vergleich zu Dr. Charlie Spleen (Sabine Manke), Psychologin durch Berufung, nahm sich der verrentete Killer aber noch recht bieder aus. Denn diese führte in den 26 Stunden auf der Bühne psychedelische Beziehungen zu Backkartoffeln und gründete eine Sekte.

Zuschauer halten nur ein paar Stündchen durch

Die Gäste waren von der Ausdauer und dem Ideenreichtum der Schauspieler begeistert. Einige hielten es selbst eine ganze Weile mit der Truppe aus. „Wir waren am Freitag sechs und heute noch einmal vier Stunden hier,“ berichtete Claudia Scheidemann. „So im letzten Drittel hat man gemerkt, dass die Konzentration nachlässt, da wurde es dann aber auch lustiger. Insgesamt ging die Zeit hier für uns aber extrem schnell rum,“ ergänzte Volker Scheidemann.

Für die meisten Gäste blieb es aber eher bei einem Kurzbesuch. „Also zwei bis vier Stunden sind okay, aber dann kann ich nicht mehr. Ich finde die Idee aber absolut toll, so etwas überhaupt durchzuziehen“, lobte etwa Annika Seidler. Insgesamt konnte die Theatertruppe zu Spitzenzeiten über 50 Gäste begrüßen, über Nacht blieben davon immerhin noch etwa zehn und am Samstag stieg diese Zahl, trotz der Konkurrenz zum Stadtfest „3 Tage Marburg“, auf etwa 30 und so blieb es auch bis zum Finale.

Natürlich ging der Impro-Marathon an den Darstellern auch nicht spurlos vorbei. „So zwischen vier und fünf Uhr morgens hatte ich auf jeden Fall meine kritische Phasen, aber jetzt fühle ich mich erstaunlich gut“, so Keßler. Auch ihre Kollegen strahlten vor dem letzten Auftritt noch einmal gemeinsam um die Wette und bewiesen damit, dass auch die längste Strapaze mühelos erscheint, wenn der Mensch etwas tut, das ihn mit Freude erfüllt.

von Marcus Hergenhan

Marburger Fast-Forward-Theatre präsentierte einen 26-stündigen Theater-Marathon. Foto: Marcus Hergenhan
 
Voriger Artikel
Nächster Artikel

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr