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Reise durch den Irrsinn unseres Alltags

OP-Buchtipp: Horst Evers: „...keine Stellung beim Sex“ Reise durch den Irrsinn unseres Alltags

„Das Leben ist wunderbar – macht aber verdammt viel Arbeit.“ Unter diesem Motto lädt der Kabarettist Horst Evers mit seinem neuen Erzählband seine Leser wieder auf eine Reise durch den Irrsinn des Alltags ein.

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Der Humorist und Kabarettist Horst Evers verknüpft in seinem neuen Erzählband Erkenntnisse 
bekannter Philosophen mit absurden Alltagssituationen.

Quelle: Henning Kaiser

Philosophisch geht es bei Horst Evers ja durchaus öfters zu. Quasi. Für seinen neuen Erzählband „Der kategorische Imperativ ist keine Stellung beim Sex“ unterzieht das Berliner Urgestein aus Niedersachsen Erkenntnisse großer Philosophen dem Praxistest. Dabei nimmt er seine Leser mit auf eine vergnügliche Reise durch den Alltag – mit all seinen Tücken und Herausforderungen.

Der Leser lernt zum Beispiel, dass man sich in Berlin auch mit Spanischkenntnissen vor Fahrkartenkontrolleurinnen in Acht nehmen sollte. Oder was man bei einer Verkehrskontrolle vielleicht schon immer mal sagen wollte, aber doch lieber nicht tun sollte. Evers erklärt auch, wie er der Entfremdung durch intensive Smartphone-Nutzung ganz einfach entgegenwirken kann: Mit einem Stirnband mit einer Halterung für das Smartphone des Partners. Sie trägt mein Telefon vor der Stirn, ich trage ihres vor der Stirn. 
So könne er gleichzeitig Mails checken und der Freundin dennoch in die Augen schauen. „Ist auch für die Körperhaltung 
besser“, schreibt Evers.

Der unter anderem mit dem Deutschen Kleinkunstpreis ausgezeichnete Humorist und Kabarettist erklärt auch, wie der Einkauf selbst am Samstagvormittag im überfüllten Supermarkt mit schlagfertigen Fragen „manchmal richtig Spaß machen kann“. Nebenbei erfährt der Leser, dass es im Puff in Köln keinen Tresen gibt. Und – natürlich – wie der kategorische Imperativ dem Nachbarn eine wunderbare Nacht bescheren kann.

Situationskomik bis ins Absurde

Den Parcours-Ritt durch den Irrsinn des Alltags schmückt Evers auch mit Erkenntnissen über Fruchtfliegen aus. Wir lernen, dass Fruchtfliegen nicht wie junge Hunde zum Menschen aufblicken, sondern ihr eigenes Ding machen. Und dass sie Abgesandte eines außerirdischen Paralleluniversums sind, was erklärt, warum sie quasi aus dem Nichts auftauchen können. Oder war es doch anders?

Seinen Streifzügen stellt Evers in seinem neuen Erzählband Erkenntnisse bekannter Philo­sophen als Bonmots voran. Von Kant und Descartes über Sokrates und Einstein bis Calvin und Hobbes sind berühmte Vertreter dabei. Nicht selten treibt er seine Situationskomik bis ins Absurde. Doch das dürfte Fans nach seinem letzten Roman 
„Alles außer irdisch“ nicht mehr überraschen.

Evers ist zwar auch Romanautor, doch sein unverkennbarer Humor und die pointierte Situationskomik aus seinem beschriebenen Alltag treten in seinen Erzählungen am besten zutage. Der gebürtige Niedersachse ist seit Jahren auch Stammgast bei Radio eins. Hörern dürfte die eine oder andere Geschichte bereits bekannt vorkommen. Und seine Fans dürften wissen: Übertreffen lassen sich Evers’ Einblicke in die Abgründe des Alltags nur, wenn er sie in seiner unnachahmlichen Art selbst vorträgt.

  • Horst Evers: „Der kategorische Imperativ ist keine Stellung beim Sex“, Rowohlt, 235 Seiten, 16,95 Euro.

von Renate Grimming

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