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„Holocaust an den Schwarzen“

Django Unchained in OP-Vorpremiere „Holocaust an den Schwarzen“

Kann man die Sklaverei in den USA mit dem Holocaust an den Juden vergleichen? „Ja“, sagte Oscarpreisträger Quentin Tarantino in Berlin. Die OP präsentiert seinen neuen Film am Mittwoch, 16. Januar, ab 20.15 Uhr im Cineplex.

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Marburg. Nur Superstar Leonardo DiCaprio ließ sich wegen Dreharbeiten entschuldigen. Aber ansonsten hatte US-Kultregisseur Quentin Tarantino („Pulp Fiction“) seine hochkarätige Crew dabei, als er vor einer Woche seinen neuen Film „Django Unchained“ in Berlin vorstellte. Brillant ist erneut der deutsch-österreichische Schauspieler Christoph Waltz, der am Wochenende einen Golden Globe erhielt und vor drei Jahren in Tarantinos Nazi-Satire „Inglourious Basterds“ den perfide-sadistischen SS-Mann Hans Landa spielte und dafür einen Oscar gewann.

Der neue, ebenso bluttriefende wie hochvergnügliche Film ist ein Sklavendrama. Und Tarantino sieht selbst eine große Parallele zwischen beiden Werken. In einer Pressekonferenz verglich er die Sklaverei in Amerika mit dem NS-Völkermord an den Juden.

„Amerika ist für zwei Holocausts in seinem Land verantwortlich: für die Ausrottung der indianischen Ureinwohner und für die Versklavung von Afrikanern, Jamaikanern und Westindern in der Zeit des Sklavenhandels“, sagte der 49-jährige Oscarpreisträger. Gleichwohl gebe es kaum Filme über dieses düstere Kapitel der amerikanischen Geschichte. „Das wird Ihnen als Deutsche seltsam vorkommen“, so Tarantino. „Sie sind alle gezwungen worden, sich bis zur Bewusstlosigkeit immer und immer und immer wieder mit der Schuld ihres Volkes auseinanderzusetzen. Den Amerikanern ist es gelungen, irgendwie darüber hinwegzugleiten.“

Umso erbarmungsloser hält der Filmemacher seinen Landsleuten nun den Spiegel vor, auch wenn er vor allem eine „aufregende Abenteuergeschichte“ habe erzählen wollen, wie er sagt. „Aber sie sollte vor dem Hintergrund der Sklaverei spielen, damit man die Brutalität wirklich sieht, mit der Amerikaner ihre schwarzen Sklaven behandelt haben.“

Waltz spielt in dem fast drei Stunden langen Western einen deutschstämmigen Kopfgeldjäger, der sich mit einem befreiten Sklaven (Jamie Foxx) auf die Suche nach dessen immer noch geschundener Frau macht - wohl selten hat ein Schauspieler so viel Schurkerei mit einem solch diebischen Vergnügen auf die Leinwand gebracht.

Tarantino, der die Geschichte mehr als zehn Jahre im Kopf hatte, schrieb das Drehbuch nach den „Basterds“ genau auf Waltz hin. Der 56-jährige Österreicher war in den Entstehungsprozess ständig eingebunden. Er bedankte sich dafür mit den Worten: „Es fängt alles bei ihm (Tarantino) an und hört alles bei ihm auf.“

Auch für die schwarzen Schauspieler hatte das Drehbuch eine besondere Bedeutung. Kerry Washington musste für ihre Rolle der einst von deutschstämmigen Plantagenbesitzern gehaltenen Sklavin Broomhilda sogar Deutsch lernen. Aber sie habe ja „den attraktivsten und coolsten Deutschlehrer überhaupt“ gehabt, sagte sie mit Blick auf Waltz. Und Jamie Foxx meinte: „Wir hoffen, dass die Zuschauer, vor allem die schwarzen, merken, wie weit wir inzwischen gekommen sind.“

Mit dem Gutschein in der Mittwochsausgabe der OP erhalten Sie bei der Vorpremiere ermäßigten Eintritt. Beim OP-Filmtest können Sie zudem Kinokarten gewinnen.Die Rezension lesen Sie am Freitag.

von Nada Weigelt

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