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Holocaust: Aus Erinnerungen soll man lernen

Marburger Künstlervereinigung in Bologna Holocaust: Aus Erinnerungen soll man lernen

Vor 68 Jahren wurde das Konzentrationslager Auschwitz befreit. In der Ausstellung „Blick nach innen“ in Bologna zeigen zwölf Künstler aus dem Landkreis ihre persönliche Sicht auf dieses Thema.

Marburg. Der Tag der Ausstellungseröffnung ist gleichzeitig auch der Jahrestag - der 27. Januar. Der Kontakt nach Italien kam durch Anno Henke, der zehn Jahre in Bologna gelebt hat und erst seit Kurzem wieder in Deutschland ist. In Bologna, wo die Nazis besonders schwere Schäden hinterlassen haben, wird jedes Jahr ein Event zum Gedenken organisiert. Dieses Jahr wurde die Künstlervereinigung Marburg/Biedenkopf eingeladen zu zeigen, den heutigen Blick der deutschen Nachkriegsgeneration darzustellen. Ingolf Anschütz, Dietmar Allmaras, Michael Feldpausch, Katharina Franck, Sergej Fuchs, Sabine Göpfert, Anno Henke, Annegrete Henke-Reinarz, Ingrid Kaftan, Johanna Krämer, Lisa Kreuziger und Elisabeth Sabo nahmen diese Herausforderung in Angriff. Die Ausstellung zeigt aber nicht nur eine deutsche Sicht: Sergej Fuchs ist in Russland, Elisabeth Sabo in Ungarn geboren, Lisa Kreuziger lebt zurzeit in London.

Jeder näherte sich dem Thema auf seine Weise: Ob mit Malerei, Objekten oder Installationen. Mit starken Symbolen und eindrucksvollen Farben versuchten sie einerseits sich in die Lage der Gefangenen im Konzentrationslager hineinzuversetzen, andererseits das zu zeigen, was ihnen selbst wichtig ist. Drei Monate hatten sie Zeit sich dem Thema zu nähern. Dabei haben sie sich oft getroffen und sich ausgetauscht.

Die meisten sind in der Nachkriegszeit aufgewachsen und wissen das meiste nur durch Erzählungen. Das war in dieser Generation nicht immer einfach. Annegrete Henke-Reinarz stieß mit ihren Fragen bei ihrer Mutter nur auf Schweigen. Erst nach deren Tod konnte sie Notizen ihres Vaters lesen, der im Krieg gefallen war.

Ingolf Anschütz verwirklicht den Ausstellungstitel in seiner Installation „Nach innen geblickt“ sehr deutlich. Durch ein Loch in einem alten Lederkoffer sieht man auf einen kleinen Koffer aus Blei, der von einem Prisma umgeben ist. Für ihn symbolisiert der Lederkoffer zum einen die ewige Flucht, das Reisen, aber auch das Ankommen. Die Spiegel des Prismas zeigen für ihn das mannigfaltige Schicksal, das so vielen Menschen widerfahren ist.

Die Ausstellung wird vom 27. Januar bis zum 9. Februar in der Sala Celeste-Galerie in Bologna sein. Zur Eröffnung werden Annegrete Henke-Reinarz, Michael Feldpausch, Sergej Fuchs, Ingolf Anschütz, Anno Henke und Johanna Krämer zusammen mit ihren Werken nach Italien reisen.

Wenn es nach dem Wunsch der Künstler geht, folgt nach der Ausstellung in Bologna eine Wanderausstellung durch viele andere Länder. Natürlich werden die eindrucksvollen Werke dann auch in Marburg zu sehen sein.

von Mareike Bader

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