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Hollywood-Hexe kommt aus Marburg

Kino Hollywood-Hexe kommt aus Marburg

Dominic Senas „Der letzte Tempelritter“ pendelt zwischen Historienfilm, Trash-Komödie, Fantasy- und Horrorstreifen.

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Schwert und Fackel immer griffbereit: Nicolas Cage als Tempelritter im finsteren Mittelalter.

Quelle: Universum Film

Marburg. „Wir brauchen mehr Weihwasser!“, ist die verzweifelte Erkenntnis Felsons, als der Dämon der Hexe entstiegen ist. In diesem Satz ist die ganze Tragik des aktuellen Films mit Nicolas Cage enthalten. Eigentlich möchte man in der erwähnten Szene lachen, doch es bleibt unklar, ob „Der letzte Tempelritter“ das überhaupt intendiert.

Es bleibt zumindest bis zum Ende hochdramatisch und man kann sich des Eindruckes nicht erwehren, Regisseur Dominic Sena („Nur noch 60 Sekunden“) und Drehbuchautor Bragi F. Schut meinen alles bierernst.

Ernst ist es zumindest dem Ritter Behmen (Cage). Zusammen mit seinem Kumpanen Felson (Ron Perlman, „Der Name der Rose“, „Hellboy“) desertiert er aus der Heiligen Armee der Kreuzzügler, weil er nach Jahren des Mordens und Metzelns dessen Sinn nicht mehr sieht. Besonders das Schicksal unschuldiger Frauen geht ihm nicht mehr aus dem Kopf.

Doch ganz ohne Gegenleistung kann er der Kirche nicht entkommen. Der von der Pest gezeichnete Kardinal D‘Ambroise (Christopher Lee) erteilt den beiden Gotteskriegern den Auftrag, zusammen mit dem Priester Debelzaq (Stephen Campbell Moore) eine geheimnisvolle junge Frau (Claire Foy) zu einem Kloster zu überführen. Diese junge Frau kommt laut Drehbuch aus Marburg. Und Hollywood schenkt Marburg auch einen Kardinal. Zweimal wird es in dem Film erwähnt. Ob Drehbuchautor Bragi Schut jr., Schöpfer der Science-Fiction-Serie „Nemesis – Der Angriff“, Marburg kennt, sei dahingestellt. Vielleicht ist er über die Brücke Brüder Grimm – Hexen auf Marburg gekommen. Vielleicht meint er auch Maribor (Marburg) Wie dem auch sei: die universitäre Märchenstadt hat so ihren Platz in einem Hollywood-Actionreißer.

Die junge Hexe soll mit dem letzten Exemplar eines Spruchbandes exorziert werden – denn die junge Schönheit wird für den Schwarzen Tod in der Stadt verantwortlich gemacht.

Die Hoffnung, man könne mit Nicolas Cage in seinem Kampf für Gerechtigkeit mitfiebern, platzt bereits zu Anfang des Films, als sich eine Hexe aus ihrem Wassergrab erhebt und sich an einem Geistlichen rächt. Der Film arbeitet also mit fantastischen Elementen. Die penible Beschriftung der anfänglichen Kreuzzugszenen führt in die Irre – es ist kein historischer Film. „Der letzte Tempelritter“ begibt sich weniger in ein inquisitionskritisches Abenteuer als vielmehr in einen berechenbaren Kampf gegen Werwölfe, besessene Tote und morsche Natur.

Im Gegensatz zum linearen Drehbuch kann der Film aber mit vielversprechenden Schauspielern aufwarten: Christopher Lee, Ron Perlman und Nicolas Cage. Warum diese sich allerdings für einen Film haben engagieren lassen, der nicht weiß, wo er hinwill, bleibt unbeantwortet. Vor allem Perlman gibt seinem Charakter eine fahrige, groteske Note. Mit ironischen Kommentaren verleiht er Senas Werk eine weitere ahistorische Komponente.

Durch ihn wird „Der Letzte Tempelritter“ endgültig zu einem Sammelsurium nicht nur aus Horror-, Action- und historischen Versatzstücken, sondern auch komödiantischen Elementen, das aber keinen überzeugenden Schwerpunkt herauskehrt. Wer brachiale Kinokost ohne große Ambitionen mag, den mag das zufriedenstellen. Allen anderen wird lediglich ein kleines Detail in Erinnerung bleiben: Die vermeintliche Hexe kommt aus Marburg.

von Christoph Spieker

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