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Hoch über der Stadt tönen die Lieder

Thurmsingen Hoch über der Stadt tönen die Lieder

Karaoke war gestern, heute ist „Thurmsingen“ angesagt. Beim ersten „Thurmsingen“ haben am Freitagabend 30 Sangeslustige im Kaiser-Wilhelm-Turm einen stimmungsvollen Abend erlebt.

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Wo man singt, da lass dich nieder: Das erste Marburger „Thurmsingen“ fand großen Anklang bei jungen wie alten Musikfreunden.

Quelle: Bettina Preussner

Marburg. Lautes Schnaufen kündigte die Ankunft des nächsten Gastes in der Turmstube des Kaiser-Wilhelm-Turmes an. Denn wer hier oben, 100 Meter über dem Marburger Schloss, Platz nehmen wollte, der musste erst 120 Treppenstufen hinauf klettern. Kuschelig war es in dem kleinen Turmzimmer und gemütlich eng. Man saß seinem Nachbarn fast auf dem Schoß, aber das tat der guten Stimmung keinen Abbruch. Im Gegenteil, man kam so schneller ins Gespräch, besser gesagt ins Singen. Während die Abendsonne das Zimmerchen in warmes Licht tauchte, wurde das erste Lied angestimmt: „Am Brunnen vor dem Tore“ schallte es weithin und zufriedene, entspannte Gesichter zeigten sich in der Runde.

Hans Gottlob Rühle, Kunstfreund und Direktor des Marburger Arbeitsgerichts, hatte zusammen mit Lutz Götzfried von Mobilo die Idee, die Singreihe „Thurmsingen – Lieder aus Deutschland“ ins Leben zu rufen. „Wer hier oben singt, hat das Gefühl, er ist ein Operntenor“, sagte Götzfried und lobte die besondere Akustik des Turmes. Er begleitete am Freitag die Sängerinnen und Sänger auf Akkordeon und Gitarre.

„Wir wollen heute eine regelmäßige Singreihe beginnen für alle, die Freude am Singen haben“, betonte Rühle. Er erinnerte daran, dass heute in Familien, Gesellschaften und Vereinen kaum noch gesungen werde. Die alte Schreibweise der Reihe „Thurmsingen“ solle auf das 19. Jahrhundert verweisen, als gemeinsames Musizieren noch im täglichen Leben verwurzelt war.

Rühle hatte zum Auftakt eine bunte Mischung aus traditionellen deutschen Volksliedern mitgebracht. Die Gäste sangen mit sichtlicher Freude und viel Engagement die bekannten Lieder, auch die Kinder stimmten aus voller Kehle mit ein. Der vielstimmige Gesang mischte sich immer besser, so dass gegen Ende des Abends sogar ein Kanon klappte. Rühle übernahm dabei mit lockeren Gesten die Rolle des Dirigenten, Götzfried zupfte mit Hingabe die Gitarre. Als es schon dunkel war, tauchte schließlich ganz stilecht eine kleine Fledermaus auf und flatterte eine Weile über den Köpfen der Sänger herum.
„Ich hätte nicht gedacht, dass das so gut angenommen wird“, erklärte eine Teilnehmerin in der Pause, die „aktive Sängerin in Kirchhain“ ist. Eine zweite Sängerin meinte: „Das ist eine sehr gute Idee. Unser Liedgut geht immer mehr verloren.“

Die Singreihe „Thurmsingen“ soll in lockerer Folge immer am ersten Freitag im Monat angeboten werden.

Die nächsten Termine sind: 10. Juni (Wanderlieder), 1. Juli (Berg- und Seemannslieder), 2. September (Volkslieder). Im Herbst sollen Abendlieder, im Advent Weihnachtslieder gesungen werden.

von Bettina Preussner

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