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Historienstück am Originalschauplatz

Festspiel „Die Kanonissen“ Historienstück am Originalschauplatz

Mehrfachen Szenenapplaus und jubelnden Beifall am Ende gab es bei der mit 320 Besuchern ausverkauften Premiere für das Festspiel „Die Kanonissen“.

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Zum Gründonnerstags-Ritual gehörte die Verteilung von Brot an die Armen.

Quelle: Manfred Schubert

Wetter. Vor den Mauerresten des ehemaligen Stifts, die samt ihren gotischen Fensteröffnungen wirkungsvoll in das gut 100-minütige Stück einbezogen wurden, entwickelte sich während der Aufführung eine Atmosphäre, die die Zuschauer ins Mittelalter eintauchen ließ.

Autorin und Regisseurin Brunhilde Heß ist es gelungen, auf Grundlage der von Stadtarchivar Hans-Uffe Boerma bearbeiteten historischen Quellen und mit Hilfe seiner szenischen Beratung, ein möglichst nah am geschichtlichen Geschehen und dennoch sehr unterhaltsames und abwechslungsreiches Werk auf die Freiluftbühne am Marktplatz zu bringen.

Streitgespräch führte zur Doppelherrschaft in Wetter

In vier Szenen ging es durch das 13., 14., 15. und 16. Jahrhundert – von der Zeit, als die Stiftskirche sich noch im Bau befand, bis zum Einzug der Reformation in Wetter und dem Ende des Stifts im Jahre 1528. Jede Szene leiteten die zeitlos über der Geschichte und auf der Stiftsmauer stehenden Trommler Holger zum Egen und Klaus Peter sowie Uli zum Egen mit ihrem geheimnisvoll tragenden Gesang ein.

Auf der obersten Ebene der Bühne trafen die Kontrahenten Landgräfin Sophie von Brabant und der Erzbischof zu Mainz aufeinander, um nach einem Streitgespräch die kriegerischen Auseinandersetzungen mit einem Friedensschluss zu beenden, der Wetter für 200 Jahre eine Doppelherrschaft brachte, die noch heute im Wappen der Stadt erkennbar ist. Dort trat aber auch ein Barde auf, sang Walther von der Vogelweides berühmtes Minnelied „Unter der Linde“ und zwei junge Paare in edler Kleidung tanzten dazu.

100 Menschen wirken am Stück mit

Auf der untersten Ebene spielten sich die lebhaftesten Szenen, die des einfachen Volkes, ab. Vom bunten Markttreiben mit Gesang, Gelage und Tanz über die Ablieferung der Pachtzahlungen an das Stift und die Speisung der Armen bis zu den Bauernaufständen erstreckten sich die Handlungen. Dabei ging es in Handlungen wie Dialogen teils recht deftig und auch witzig zu.

Dazwischen, in der mittleren Ebene, wurde das Leben der Kanonissen dargestellt: Die Aufnahme einer neuen, jungen Stiftsdame, der Unterricht von Schülerinnen und Schülern, Probleme des Stifts, die relativ freie Lebensweise der Kanonissen gegenüber den katholischen Autoritäten zu verteidigen und die innerhalb des Stifts nicht unumstrittene Wahl einer neuen Äbtissin.

An die 100 Mitwirkende vor und hinter den Kulissen waren an der Aufführung beteiligt, davon 50 in rund 80 Sprechrollen, die allesamt eine ambitionierte Leistung ablieferten und die sehr ansprechenden musikalischen Einlagen. Sie ließen das historische Kaleidoskop zu einem Gesamtkunstwerk werden, dessen gelungene Umsetzung durch die Laiendarsteller höchsten Respekt verdient.

Am Samstag um 21 Uhr findet die letzte Aufführung auf dem Marktplatz in Wetter statt. Lediglich, falls ein Termin witterungsbedingt ausfällt, ist der Sonntagabend als Ersatztermin vorgesehen.

von Manfred Schubert

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Wetter feiert seine Geschichte

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