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Hinter Goethe steckt mehr als Literatur

Marburger Bachchor Hinter Goethe steckt mehr als Literatur

Lieder mit Gedichten von Goethe standen auf dem Programm des Sommerkonzertes des Marburger Bachchores. Mit den Kompositionen aus unterschiedlichen Epochen wurde der Chor wieder einmal seinem hohen Anspruch mehr als gerecht.

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Der Marburger Bachchor begeisterte unter der Leitung von Nicolo Sokoli mit Goethe-Vertonungen. Benno Möller (Links) wurde für seine ehrenamtliche Tätigkeit von Marburger Oberbürgermeister Egon Vaupel mit dem Hessischen Ehrenbrief ausgezeichnet. Fotos: Florian Gaertner

Quelle: Florian Gaertner

Marburg. Schon bei seinen Zeitgenossen waren die Werke von Johann Wolfgang von Goethe sehr beliebt. Von Beethoven ist überliefert, dass „keiner sich so gut komponieren lasse wie Goethe“. Diese Wertschätzung beruhte auf Gegenseitigkeit. In einem Brief verlangte Goethe, dass Beethoven die Gedichte „Trocknet nicht“ und „Kennst du das Land“ vertonen solle. „Es gehört zu meinen erfreulichsten Genüssen, wenn ein solches Gedicht früherer Stimmung mir durch eine Melodie (wie Beethoven richtig erwähnt) wieder aufs Neue versinnlicht wird.

Beim Sommerkonzert des Bachchores waren gleich zwei Versionen des 1783/84 komponierten „Mignon-Gedichtes“ zu hören. Zuerst in der Fassung von Hugo Wolf, der zwischen 1875 und 1888 51 Goethe-Werke vertonte. Mezzosopranistin Nohad Becker überzeugte auch bei diesem Sololied mit Klavierbegleitung von Nicolo Sokoli mit einem feinen Sinn für den Text. Besonders beim abschließenden „Lasst uns zieh’n“ übertrug sie sehr authentisch die Sehnsucht zum fernen Land Italien. Es folgte Beethovens Komposition aus dem Jahre 1809, das von den Frauen des Bachchores herrlich romantisch und sehnsuchtsvoll interpretiert wurde.

Bei einer weiteren Gegenüberstellung wurde das Gedicht „Heideröslein“ in der Vertonung von Robert Schumann und in der beim Bachchor wohlbekannten Fassung von Heinrich Werner beleuchtet. Der Satz von Heinrich Werner gehört seit Jahren zum Standard-Repertoire des Chores und begleitet die Sänger und Sängerinnen auf fast jeder Konzertreise.

Humorvoll war die „Klatsch“-Vertonung von Harald Genzmer „Wir haben dir Klatsch auf Geklatsche gemacht“. Die Komposition von 1960 war mit dem schnellen, tuschelnden Tenor gepaart mit vielen Dissonanzen eine moderne Auslegung des von Goethe überarbeiteten Gedichtes, das aus dem gemeinsamen Werk „Xenien“ von Goethe und Schiller von 1797 stammt.

Landesehrenbrief für Benno Möller

Kurz vor Ende des Konzertes übergab Dirigent Nicolo Sokoli am Sonntag das Wort an Oberbürgermeister Egon Vaupel. Dieser überreichte den Ehrenbrief des Landes Hessen an den völlig überraschten Benno Möller als Dank und Anerkennung für sein ehrenamtliches Engagement als erster Vorsitzender des Marburger Bachchores. Seit 1986 ist Möller begeisterter Bachchor-Sänger, seine Mitsänger hatten aber geschlossen die Ehrung geheim gehalten. „Mein Chor hat mich im Stich gelassen“, sagte Möller noch völlig überwältigt im Anschluss. Über 12 Jahre hatte er bis zum April 2013 viel Zeit und Kraft investiert, wie er selbst erzählte. So passte das Programm des Sommerkonzertes wunderbar zu seinem Lebensmotto von Goethe: „Was immer du tun kannst oder träumst es zu können, fang damit an. Mut hat Genie, Kraft und Zauber in sich“.

Die Zugabe wurde erst im Foyer angestimmt, wo ein kleiner Umtrunk auf das Publikum wartete. Über den ganzen Raum verstreut stimmte der Bachchor „Tourdion“ von Pierre Attaignant an, das in der lockeren Atmosphäre einige so begeisterte, dass sie spontan mitsangen.

von Mareike Bader

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