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Hexensabbat und Freundschaftsdienst

Semesterabschlusskonzert Hexensabbat und Freundschaftsdienst

Das Studenten-Sinfonieorchester (SSO) spielt nahezu in jedem Semesterabschlusskonzert eine Marburger Erstaufführung. Diesmal hat das SSO gleich zwei Werke im Programm, die in Marburg noch nie erklungen sind.

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Ulrich Manfred Metzger dirigiert das Studenten-Sinfonieorchester Marburg im Audimax.

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. Modest Mussorgskys „Eine Nacht auf dem kahlen Berge“ und Edward Elgars „Enigma-Variationen“ zählen zu den Meisterwerken der Gattung Programmmusik. Beide waren in Marburg noch nie zu hören und beide führten die jungen Musiker des SSO an ihre Grenzen, was sich in einigen ungenauen Einsätzen sowie Reibungen im Zusammenspiel zeigte.

Mehr als aufgewogen wurde dies jedoch am Dienstagabend im Audimax durch das mitreißende Feuer, das Ulrich Manfred Metzger mit seinem Orchester entfachte.

Furios der Beginn mit Mussorgskys Tondichtung, die in krassen Kontrasten mit grellen Effekten in Blech und Schlagzeug, nervös dahin jagenden Streicherpassagen und kantablen Holzbläserpartien den Ablauf eines Hexensabbats schildert.

Eine Glocke kündigt den Tag an und beendet den Spuk – so komponierte es Nikolaj Rimskij-Korsakow in seiner das raue Original glättenden Bearbeitung. Und fügte mit einer sanften ländlichen Weise von Klarinette und Flöte zu Harfen- und Streicherklängen einen versöhnlichen Abschluss an.

Nachdem das SSO bereits Elgars Cellokonzert für Marburg entdeckt hatte und damit zum Vorbild für die Junge Marburger Philharmonie bei ihrem jüngsten Konzert geworden war (die OP berichtete am Mittwoch), stand nun die Marburger Erstaufführung der „Enigma-Variationen“ auf dem Programm.

Im effektvollen Finale porträtiert Elgar sich selbst

Der britische Spätromantiker hat in 14 Charakterstücken Freunde und Verwandte porträtiert – im Wechsel zwischen leichtfüßig und kammermusikalisch-dezent hingeworfenen lyrischen Einfällen, in denen sich die Stimmführer des SSO von ihrer besten Seite zeigten, mit dynamisch-schwungvollen, brillanten Zuspitzungen.

Emotionaler Höhepunkt ist die Nummer neun „Nimrod“. Dort legte Metzger den Taktstock beiseite und formte mit beiden Händen, im dreifachen Piano der Streicher beginnend, einen der gewaltigsten und ergreifendsten Adagio-Sätze der Orchesterliteratur, dessen Einleitungstakte an den langsamen Satz von Beethovens achter Klaviersonate „Pathetique“ erinnern. Im effektvollen Finale porträtiert Elgar sich selbst –mit Anklängen an seine populären „Pomp-and-Circumstance“-Märsche.

Nach der Pause hatte das SSO zum dritten Mal den Konzertmeister des Frankfurter Opernorchesters, Dimiter Ivanov, zu Gast. Er hatte im Audimax bereits die Marburger Erstaufführungen des Korngold-Konzertes und des ersten Violinkonzertes von Schostakowitsch gespielt.

„Darth Vader“ dirigiert seinen „Imperial March“

Diesmal widmete er sich einem zu Recht viel gespielten Werk, das in dieser Spielzeit auch beim Konzertverein zu hören sein wird: dem D-Dur-Violinkonzert von Peter Tschaikowsky.

Dass es zu Ivanovs Alltag gehört, gemeinsam mit dem schönsten aller Instrumente, der menschlichen Stimme, zu musizieren, fand seinen Widerhall in seinem warmen, eindringlich-emphatischen Gesangston gleich im wundervollen Hauptthema des Kopfsatzes, aber auch in der schwermütig-träumerischen Canzonetta des Mittelsatzes.

Das SSO begleitete ihn dort genauso hingebungsvoll wie in den virtuosen Passagen, die dem Solisten höchstes technisches Können abverlangen – für Ivanov schien‘s ein Spaziergang zu sein.

Den begeistert applaudierenden 800 Zuhörern im nahezu ausverkauften Audimax schenkte er als Zugabe Paganinis g-Moll-Caprice Nr. 6, die durch das ständige Tremolo in der linken Hand wie ein Duett von Violine und Mandoline klingt.

Danach trat noch einmal Metzger ans Pult – im Outfit von „Darth Vader“ aus „Star Wars“ trieb er mit dem rot leuchtenden Neonschwert das SSO durch John Williams‘ „Imperial March“.

  • Am Sonntag ab 18 Uhr erklingt das Programm noch einmal im Audimax.

von Michael Arndt

Hintergrund: Das SSO ist ein eingetragener Verein (e. V.). Es besteht die Möglichkeit, förderndes Mitglied zu werden – Adresse: Studenten-Sinfonieorchester Marburg e. V., Musikwissenschaftliches Institut, Biegenstraße 11, 35032 Marburg, E-Mail: vorstand@sso-marburg.de

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