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Bunt, schrill, witzig und einfach nur schön

Hessisches Landestheater Bunt, schrill, witzig und einfach nur schön

Mit der Bühnenfassung von „Der Zauberer von Oz“ ist dem Hessischen Landestheater ein Stück für die Vorweihnachtszeit gelungen, das sowohl kleine Kinder als auch Erwachsene anzusprechen vermag.

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Knallbunte Helden im Land Oz: Das Foto zeigt (von links) Karlheinz Schmitt, Fabian Oehl, Insa  Jebens, Julian Trostorf und Lene Dax.

Quelle: Jan Bosch

Marburg. „Mama, ist die Hexe echt?“ – Etwas ängstlich blickte das kleine Mädchen seine neben ihm sitzende Mutter an, die es beruhigte. Vielleicht nicht so ganz, denn schließlich hatten Dorothy und ihr Hund Toto, die Vogelscheuche, der Blechmann und der Löwe laut und deutlich gesungen „Zauberer gibt es, und Hexen und Wunder, und Magier und Feen. Jetzt ist alles möglich, man kann alles schaffen, es ist alles wahr.“

Aber selbst, wenn die böse Hexe des Westens mit ihren grellroten Haaren, die so garstig zu den Helden des Stücks ist, echt wäre, so müsste man sich nicht allzu lange vor ihr fürchten. Denn recht schnell wird sie von Dorothy besiegt, und nur, weil die Hexe das Mädchen zu sehr geärgert hat. Pech gehabt! Und damit ist auch die Aufgabe erfüllt, die der mächtige Zauberer von Oz den Freunden gestellt hat.

Erst nach der Vernichtung der bösen Hexe will er ihnen ihre sehnlichsten Wünsche erfüllen. Die Vogelscheuche möchte Verstand statt nur Stroh im Kopf haben, der Blechmann will ein Herz, um wieder lieben zu können, und der feige Löwe wäre gern mutig und somit ein echter König der Tiere. Und Dorothy und Toto möchten wieder nach Hause nach Kansas, obwohl es da öde, staubig und grau ist, denn dort sind ihre Heimat und ihre Lieben.

Zwar stellt sich der angebliche Zauberer als Scharlatan heraus, aber auf der abenteuerlichen Reise durch das Land Oz hatte Scheuch viele gute Ideen gehabt, der Blechmann hat viel Mitgefühl gezeigt und der Löwe durchaus Mut. Das Einzige, was ihnen fehlte, war Selbstvertrauen, und ihnen das zu geben, gelingt am Ende Dorothy. Und dadurch verdient sie sich auch die Hilfe der guten Hexe des Nordens, die ihr sagt, wie sie und Toto wieder nach Hause gelangen.

Das Bestehen all der Abenteuer verfolgten die Kinder unter den 400 Besuchern der ausverkauften Premiere im Erwin-Piscator-Haus fasziniert und unter großer Anteilnahme. Die Erwachsenen amüsierten sich über das humorvolle Spiel sämtlicher Darsteller, staunten mit den Kindern über das effektvolle Bühnenbild mit riesigen leuchtenden Bögen, die herabschweben, um den Übergang ins Land der Magie anzuzeigen.

Und genossen die gelungenen Gesangsdarbietungen aller Akteure, die eingängigen Texte stammten ebenso wie die Bühnenfassung des Kinderbuches von L. Frank Baum von Regisseur Boris von Poser, sowie die virtuose musikalische Begleitung durch Vassily Dück. Sein fast durchgängiges, fantastisches Akkordeonspiel vom Bühnenrand aus trug das Stück und gestaltete die märchenhafte Atmosphäre der Aufführung zu einem guten Teil mit, in die sich die Zuschauer gerne hineinziehen ließen.

Zu schade eigentlich, dass nach etwa 85 Minuten der Zauber wieder vorbei war. Aber das ist wohl auch eine kindgerechte Spielzeit. Sehr lang anhaltender Applaus, Begeisterungsrufe und lautes Trampeln mit den Füßen belohnten die Darsteller und das gesamte Team für ihr großes Engagement bei diesem gelungenen Familienstück zu Weihnachten.

  • Weitere Familienvorstellungen finden am 17. und 22. Dezember (an diesem Tag mit Audiodeskription) jeweils um 17 Uhr und am 23. Dezember um 16 und 18 Uhr statt.

von Manfred Schubert

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