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Herzensbrecher aus Leidenschaft

Theater Herzensbrecher aus Leidenschaft

Mit Hochdruck arbeitet Intendant Matthias Faltz mit seinem Ensemble am Freilichtspektakel „Don Juan“. Sein Verführer heißt im wahren Leben Martin Maecker.

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Martin Maecker ist Marburgs Don Juan. Er spielt die Hauptrolle in der Komödie von Molière, die am 17. Juni Premiere hat.

Quelle: Nadine Weigel

Marburg. Don Juan und Casanova sind als Verführer in die Literaturgeschichte eingegangen. Die Namen wurden zum Synonym für einen Herzensbrecher. Neudeutsch nennt man sie „Womanizer“. Wie profan.

Marburgs Don Juan heißt Martin Maecker. Er ist 31 Jahre alt und seit einem Jahr Mitglied des Ensembles des Hessischen Landestheaters.

Nach einem Jahr sei er „in einer Phase, wo man langsam ankommt“, erzählt er bei einem Kaffee. „Ankommen“ in einer neuen Stadt ist wichtig für einen Schauspieler, aber auch gar nicht so einfach. Wenn andere Leute ausgehen, steht er auf der Bühne. Oder er probt. Oder er lernt Texte.

So hat er noch nicht viel gesehen von Marburgs Kulturszene. In der Waggonhalle und im KFZ sei er schon gewesen. „Wenn man mal einen freien Abend hat, dann geht man nicht immer aus. Das kommt irgendwann“, sagt der Schauspieler, dem die Umgebung Marburgs sehr gut gefällt.

Und wo ist er in den kommenden Wochen? „Auf dem Marktplatz“, sagt er und lächelt.

Nach Brechts Baal ist er jetzt Molières Don Juan. Wieder ein Frauenheld. Wieder ein Verführer. Ist er am Landestheater der Verführer vom Dienst? Das hört Martin Maecker gar nicht so gern. Es sind Rollen. Es ist sein Job.

Nein, das stimmt nicht ganz. Schauspieler zu sein sei kein Job, sagt Maecker. Jedenfalls kein normaler, alltäglicher. Abend für Abend im Rampenlicht zu stehen ist harte Arbeit. Viele junge Menschen träumen davon, Schauspieler zu werden, träumen von dem Glanz, dem Applaus – auf der Bühne oder im Film. Was sie vergessen: Der Alltag eines Schauspielers ist hart. Montag bis Freitag wird geprobt von 10 bis 14 und von 18 bis 22 Uhr. Samstags wird auch geprobt: von 10 bis 14 Uhr. Probenfrei hat man, wenn man spielt. Der Sonntag ist frei – es sei denn, man steht auf der Bühne.

Foto: Nadine Weigel (nw).

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Nun ist es nicht so, dass man bei Proben immer anwesend sein muss. Es komme auch vor, dass man mal einige Wochen überhaupt keine Proben habe, sagt Maecker. Dann ist man aber auch nicht im Stück.

Die Berufsaussichten eines Schauspielers sind schwierig, ebenso die Familienplanung, weiß der 31-Jährige. Würde er es wieder machen? Natürlich, auf jeden Fall, kommt die prompte Antwort. Die Voraussetzung für den Beruf sei die Leidenschaft für den Beruf. Es gebe nur: entweder oder.

Um Leidenschaft geht es auch in Don Juan. „Don Juan sucht den Kitzel, er sucht den Widerstand, den er überwinden kann“, sagt Maecker über seine Figur. „Er hat Spaß daran, zu verführen. Aber er macht es auch aus einer Verzweiflung heraus, immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen.“

Seit Wochen arbeiten er und das Ensemble hart an der Inszenierung, die am 17. Juni auf dem Marktplatz Premiere hat. Körpertraining stand ebenso auf dem Probenprogramm wie Fechttraining. Das hat Kollege Ogün Derendeli übernommen, der den Diener Sganarelle spielt, die zweite Hauptrolle.

Es ist eine aufwändige Produktion, die mit großem Engagement vorangetrieben wird: Schließlich ist „Don Juan“ der Anker für den 1. Marburger Theatersommer, den das Landestheater mitten im Herzen der Stadt organisiert hat.

Martin Maecker wurde 1980 in Schwelm geboren. Er studierte Schauspiel am Mozarteum Salzburg und an der Universität für Musik und Darstellende Kunst Graz. Anschließend war er bis 2009 festes Ensemblemitglied am Jungen Theater Göttingen. Seit dieser Spielzeit ist er am Landestheater beschäftigt und hat gemeinsam mit Franziska Knetsch die Leitung des Theaterlabors inne.

von Uwe Badouin

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