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Herrlich befreiende Rachegeschichten

Kinostart: „Wild Tales“ Herrlich befreiende Rachegeschichten

An der Kasse drängelt sich jemand vor, eine Behörde stellt sich stur – da möchte man am liebsten ausrasten. Genau davon erzählt die wunderbar über­drehte Thriller-Komödie „Wild Tales“.

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Romina (Erica Rivas) und Ariel (Diego Gentile) machen gute Miene zum bösen Spiel in einer Szene von „Wild Tales“.

Quelle: Prokino

Das Gefühl kennt wohl jeder: Wenn es in einem vor Wut brodelt und man seinem Ärger am liebsten Luft machen würde. Zum Beispiel wenn sich im Supermarkt jemand vordrängelt oder wenn sich ein Kollege beim Chef mit falschen Lorbeeren schmückt. Um Situationen wie diese geht es auch in „Wild Tales – Jeder dreht mal durch!“.

Und wie der Titel schon verrät, übt jeder der Protagonisten Rache für ganz alltägliche Ungerechtigkeiten. Das ist herrlich wild, böse und manchmal blutig. Schon jetzt gilt das Werk als der erfolgreichste argentinische Film aller Zeiten und hat sogar Chancen auf einen Oscar.

Bereits die erste Episode macht deutlich, in welche Richtung der Film geht: Eine Kellnerin erkennt einen Immobilienhai, der ihre Familie einst in den Ruin stürzte. Die Köchin des Cafés zögert nicht lange, als sie davon erfährt, und streut dem Gast etwas Gift ins Essen.

Auch im weiteren Verlauf von „Wild Tales“ erzählt der argentinische Regisseur Damián Szifrón von normalen Männern und Frauen auf Rachefeldzügen. Mal jagt ein Bürger einen Autoabschleppdienst in die Luft, mal bekämpfen sich zwei Autofahrer bis zum bitteren Ende, mal rastet eine betrogene Braut aus, als sie am Hochzeitstag vom Seitensprung des Neu-Ehemanns erfährt.

Politisch nicht korrekt – tut aber gut

Dabei eskaliert die Gewalt in jeder Episode, ist extrem und überdreht zugleich. Und doch gelingt es Szifrón, diese Gewaltausbrüche als etwas sehr Befreiendes zu inszenieren. Es sind Momente voller Komik und Tragik, in denen sich Wut über Ungerechtigkeit und großspurige Mitmenschen entlädt.

Auch wenn das moralisch sicher nicht der angestrebte Weg sein sollte – für die Zuschauer ist es ein Spaß zu sehen, wie die Menschen, die sich arrogant und ohne Rücksicht auf andere durch das Leben bewegen, bestraft werden.

  • Der Film läuft ab diesem Donnerstag im Filmkunsttheater am Steinweg.

von Aliki Nassoufis

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