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Heimtückischer Besuch aus dem Jenseits

English Drama Group Heimtückischer Besuch aus dem Jenseits

Mit „Blithe Spirit“ aus der Feder des englischen Schriftsteller Noël Coward thematisierte das Laien-Ensemble Eifersucht und Ehekrise im England der 1980er Jahre.

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Eigentlich erhoffte sich Ruth Condomine (Lieselotta Ehret, links) vom Medium Madame Arcati (Jens Wetekam) nur Unterhaltung. Doch die aufgerufene Tote will nun ihren Mann töten.

Quelle: Benjamin Kaiser

Marburg. Überraschungsbesuche sind für gewöhnlich ein Anlass zur Freude. Wenn die Besucherin jedoch die Ex-Ehefrau eines erneut verheirateten Mannes ist, dann kann ein solcher Besuch allerdings schon ungelegen sein. Geradezu ungebeten wird der Besuch dann, wenn die Ex nicht einmal lebendig ist, sondern ein liebestrunkener und skrupelloser Geist - eben diese Geschichte erzählt „Blithe Spirit“.

Die 200 Besucher, die das Stück vergangene Woche in der Marburger Waggonhalle sehen, können sich das Lachen nicht verkneifen, als Madame Arcati (herrlich überdreht: Jens Wetekam) auf die Bühne poltert. Eine schrille und schillernde Frau mit einer Vorliebe für Übernatürliches und üppig belegte Sandwiches. Ein selbsternanntes Medium, das der Meinung ist, mit Geistern kommunizieren zu können. Eingeladen hat sie das Ehepaar Charles und Ruth Condomine (Christoph Donhauser, Lieselotta Ehret), das sich von der Geisterbeschwörung eigentlich nur „gute Unterhaltung“ verspricht. Dumm nur, dass der „alberne Hokus-Pokus“ tatsächlich funktioniert.

Durch die Geister-Séance gelangt Elvira Condomine (Aliena Wilson und Katherine Turner), Charles’ verstorbene Ex-Frau, ins Diesseits. Nur Charles kann sie sehen und mit ihr sprechen. Der Schriftsteller ist im Gegensatz zu Ruth anfänglich auch recht angetan von dem übernatürlichen Besuch. Das ändert sich allerdings zügig, als er herausfindet, was Elvira im Schilde führt. Sie will wieder zurück ins Jenseits und ihren heiß geliebten Ex-Gatten gleich mitnehmen. Im Klartext: Sie will ihn umbringen.

An der Inszenierung ist vor allem die chorische Figurendarstellung - mehrere Schauspieler spielen und sprechen eine Figur - von Elvira zu loben. Sie belebt das Stück, sorgt häufig für Lacher und wird von Wilson und Turner vorzüglich umgesetzt. „Ich gucke viele Horror-Filme. Da sind Geister meistens quasi an mehreren Stellen gleichzeitig“, erklärt Jens Wetekam den Hintergrund der chorischen Darstellung.

„Ich hatte den Eindruck, dass die Besucher Spaß hatten. Das ist das Wichtigste bei einer Komödie“, bemerkt Wetekam. Vor allem die Dreiecksbeziehung sorgt für einige urkomische Momente in dieser kruden Komödie. Auf der einen Seite die kühle und rationale Ruth, auf der anderen die kindliche und emotionale Elvira. In der Mitte Charles - ein Mann zwischen zwei Frauen. Die eine tot, die andere quicklebendig, aber beide von Eifersucht zerfressen. Beim Ringen um Charles kämpfen beide Frauen mit harten Bandagen und im wahrsten Sinne des Wortes bis auf Leben und Tod.

Das Stück führt das achtköpfige Ensemble, allesamt Anglistik-Studenten der Philipps-Universität, auf englischer Sprache auf. Kleiner Wermutstropfen: Nicht allen Darstellern gelingt es, ihren englischen Akzent über die gesamte Spieldauer zu halten, was dem Flair der ansonsten sehr gelungenen Darbietung einen kleinen Abbruch tut.

von Benjamin Kaiser

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