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Chor „Politöne“ gab Konzert im Rathaus Heimat im 
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Was ist eigentlich Heimat? Darauf gab der Chor „Politöne“ im Marburger Rathaussaal gleich ein ganzes Bündel von Antworten.

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Die Sänger des Chors „Politöne“ beim Konzert im Historischen Rathaussaal.

Quelle: Peter Gassner

Marburg. Gemeinsam mit dem Ausländerbeirat der Stadt Marburg hatte „Politöne“ zu einem besonderen „Heimatabend“ eingeladen. Der musikalische Schwerpunkt lag dabei jedoch nicht auf regionalem oder deutschem Liedgut. Die eigentliche Botschaft des Abends wurde den rund 70 Zuhörern gleich zu Beginn deutlich gemacht.

Nach der Einstimmung durch den Gastmusiker Chia Quaderi,­ der ein Instrumentalstück auf der Oud präsentierte, zogen die Chormitglieder nach und nach in den Saal ein – jeweils ein Lied aus ihrer eigenen Heimat auf den Lippen. Die Bandbreite reichte dabei von Hessen, über Sachsen oder das Ruhrgebiet, bis hin zu Italien oder dem amerikanischen Bundesstaat Minnesota. Viele Heimaten also, vereint in einem Chor.

Es begann jedoch mit einem „echten deutschen Lied“, so Dirigent Gerd Schiebl, mit einer stark nationalistischen Konnotation. „Nehmt Aufstellung“, forderte der Dirigent seine Sänger auf. Unterbrochen wurde die „Wacht am Rhein“ dann allerdings durch „Oh Freunde, nicht diese Töne“ aus der 9. Sinfonie von Beethoven – der Europahymne.

„Was ist eigentlich Heimat?“

Wer angesichts solcher Musikauswahl noch nicht verstanden hatte, worum es ging, konnte das spätestens den kurzen Ansagetexten entnehmen. Dort wurden Themen wie die Flüchtlingsproblematik, Sklaverei oder die Gastarbeiter in der Bundesrepublik angesprochen.

Über den weiteren Abend erklang ein breites Spektrum verschiedenster Musikrichtungen. Von deutschem Schlager, über Balkanklänge bis hin zu Gospelsongs. Ein gewagter Spagat zwischen Melancholie und Heiterkeit, der den Politönen jedoch gelang. Der Chor verstand es, den Abend trotz der politischen Botschaft nicht zu ernst zu gestalten und durch den Gesang zu überzeugen.

Mitreißende Melodien wurden durch die zeitweise Begleitung auf Gitarre, Klavier oder Trommeln noch verstärkt. Eingängige Songtexte, die so mancher Besucher beispielsweise bei Udo Jürgens‘ „Griechischer Wein“ („in dieser Stadt werd‘ ich immer nur ein Fremder sein“) gar bewusst waren, regten zum Nachdenken an.

Die Neuinterpretation eines Sarah-Connor-Hits („Wie schön du bist“) als Anti-Nazi-Song durch Comedian Carolin Kebekus („Wie blöd du bist“) sowie „One World“ von Sting rundeten den musikalischen Auftritt ab. Und auch die eingangs gestellte­ Frage: „Was ist eigentlich Heimat?“ wurde noch beantwortet – allerdings nicht mit einer lehrbuchreifen Definition.

Heimat, das sei unter anderem „wo man Freunde hat“, „wo man begraben sein möchte“, „wo das WLAN schon gespeichert ist“, oder einfach „wo man sich geborgen fühlt“, zählten die einzelnen Chormitglieder auf. ­Jeder von ihnen hatte eine eigene Antwort parat. Und so fiel das Fazit aus, wie schon die Begrüßung durch Dirigent Gerd Schiebl. „Der Heimatbegriff ist so bunt wie die Poli­töne“, sagte­ er.

von Peter Gassner

 
 
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