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Hardrock, wie er sein sollte

„Siena Root" Hardrock, wie er sein sollte

Apokalyptische Hardrock- und Spaceorgien mit Psychedelic-Einflüssen präsentierten fünf Schweden im gut besuchten KFZ – die Fans waren hingerissen.

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Keyboarder Erik Pettersson bearbeitet seine „brennende“ Hammond-Orgel.

Quelle: Jan Bosch

Marburg. Mit ehrlich-rohem Rock heizen Apewards am Samstagabend den Zuschauern im gut gefüllten KFZ ordentlich ein. Die vier Jungs aus Marburg zeigen mit fetten Gitarrenriffs schon in der ersten Stunde, wohin die Reise diesen Abend gehen wird.

Ein altes Morricone-Tape kündigt den Headliner des Abends an. Fünf schlaksige Kerle mit langen Haaren, Schlaghose und Fransen-Lederjacke trotten auf die Bühne. Das Stockholmer Quintett füllt seit 2004 in Schweden und europaweit die Underground-Hallen. Sie begeistern ihre Fans nicht nur mit stilechtem 70er-Jahre-Outfit, sondern mit urwüchsigem Roots-Rock allerbester Güte.

Eine Huldigung der großen Vorgänger

Den Stil haben sie sicher nicht neu erfunden, halten aber voller Stolz die Fahne des Rock nach oben und preschen mit viel Druck nach vorne. Hardrock, wie er sein sollte – raue Stimme, bratzige Gitarren und eine wabernde Hammond. Bei jedem Stück hat man unmittelbar eine andere Vinylscheibe aus dem heimischen Plattenschrank im Hinterkopf, die man unbedingt mal wieder hervorkramen sollte. Deep Purple, Black Sabbath oder auch mal was Verkopftes von Gentle Giant.

Siena Root kupfern nicht ab, man könnte es eher als Huldigung der großen Vorgänger bezeichnen. Ihr bodenständiger Sound glänzt mit eigenen Ideen und spielerischer Perfektion. Sie schaffen schon seit sieben Scheiben, was man sich vom zweiten oder dritten Album mancher Legende aus den 70ern gewünscht hätte.

Love Forsberg ackert Song für Song hinter seinem Schlagzeug und sorgt mit Sam Riffer am Bass für einen knackigen und treibenden Groove. Herzstück der Band sind sicher Erik Pettersson und Matte Gustavsson. Optisch einem mit Blumen verzierten T1 Kleintransporter entsprungen, schaffen sie eine austarierte Melange aus apokalyptischen Hardrock- und Spaceorgien mit Psychedelic- und Progressive-Einschüben. Gustavssons Les Paul und die uralte Hammond-Orgel von Pettersson harmonieren perfekt miteinander.

Matte Gustavsson, Gitarrist der Band Siena Root. Foto: Bosch

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Immer wieder streuen sie minutenlange Soli ein, spielen mal zusammen, mal gegeneinander. Sie gehen absolut in ihren Instrumenten auf und reißen ihr Publikum völlig mit. Die raue und energiegeladene Stimme von Samuel Björn rundet das stimmige Gesamtbild ab.

Da den Jungs die Stimmung im Saal scheinbar noch nicht heiß genug ist, fackeln sie neben ihrem musikalischen Feuerwerk zum Ende des Abends noch stilecht ihre Instrumente ab. Hohe Flammen flackern auf der Orgel, dazu gibt es ein heftiges Schlagzeugsolo mit brennenden Schlegeln. Das ist pure Rock-Power. Hier hätte zur Abrundung noch eine Gitarre in der Box landen können, aber das gab’s ja schon und ist auf Dauer auch ziemlich teuer.

Nach zwei Stunden gepflegter Rockshow und Zugabe verabschiedeten sich die Schweden unter tosendem Beifall. Ehrliche Nummer, Jungs!

von Jan Bosch

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