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„Bausatz Tier“ ist preisgekrönt

Biennale in Ube „Bausatz Tier“ ist preisgekrönt

Die Japaner mögen Hans Schohl: Schon zum achten Mal ist eine Arbeit von ihm in Japan zu sehen. Mit seinem „Bausatz Tier“ hat er an der Biennale in Ube teilgenommen und den Mainichi-Newspaper-Preis gewonnen.

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Bei der Eröffnung der 27. Biennale in Ube tanzten Kinder rund um den „Bausatz Tier“.

Quelle: privat

Marburg. Schon vor zehn Jahren hat Schohl bei den Biennalen in Ube und in Kobe Preise abgeräumt, 2009 und 2013 wurden erneut Arbeiten von ihm auf der Biennale in Kobe gezeigt und ausgezeichnet, 2015 in Nakanojo. Warum die Japaner seine Arbeiten so mögen, kann er sich nicht recht erklären – einfach nur Glück“, lächelt der Künstler, der in Anzefahr lebt und Mitglied der Künstlergruppe Werkstatt Radenhausen ist. Es könnte aber auch sein, dass seine Arbeiten, die oft mit Schatten, Traumhaftem und Entschleunigung zu tun haben, einen Nerv treffen – „es könnte einen Bezug zum Zen haben“, meint Schohl.

Und „Bausatz Tier“ hat Bezüge zu dem Märchen von den „Bremer Stadtmusikanten“ der Brüder Grimm, die in Japan sehr populär sind. Die vier Meter hohe und gut eine Tonne schwere Stahlskulptur, die aus mehreren Teilen zusammengesetzt ist – ein Bausatz eben – erinnert an Esel, Hund, Katze und Hahn, die ausziehen, um etwas Besseres als den Tod zu finden. Aufeinandergetürmte Tierwesen sind es auch bei Schohl, kindlich bunt bemalt, als habe tatsächlich ein Riesenkind einen­ Bausatz verziert. Beim näheren Hinsehen aber erkennt man, dass es seltsame Chimären sind, die da aufeinander getürmt wurden, Mischwesen aus Bär und Giraffe, ein Schwein, dessen Gerippe durch die Haut hindurch leuchtet, aufgerissene Mäuler, stiere Augen.

12.000 Euro Preisgeld

Es sind Mutationen, die daran gemahnen, dass das Genmaterial der Tiere mittlerweile­ ein Bausatz für die Wissenschaft ist, die Mäuse so züchtet, dass sie schon mit Krebs für Forschungszwecke zur Welt kommen, die Hochleistungskühe entwickelt oder Schweine, die eine Rippe mehr zum späteren Abnagen haben. „In Japan werden solche moderne Technologien gerade nach dem Reaktorunglück von Fukushima durchaus auch als problematisch angesehen“, sagt Schohl, was eine weitere Erklärung für die Preisvergabe sein könnte.

Um die Teilnahme an dem Skulpturen-Wettbewerb hatten­ sich 277 Künstler beworben, 207 kamen aus Japan, 70 aus 29 weiteren Ländern, davon vier aus Deutschland. 18 wurden eingeladen, ihre eingereichten Modelle in Originalgröße in Ube aufzubauen – schon dafür gab es Geld. Hans Schohl ist der einzige Nicht-Japaner, der ausgewählt wurde. Die Teile für seine Skulptur wurden von der Firma Mangner im Dautphetaler Ortsteil Allendorf mit einem ­Industrielaser aus 25 Millimeter starken Schwarzstahl-Blechen geschnitten. Dann wurden sie mit dem Schiff nach Japan transportiert und von Kindern aus Kindergärten und Schulen nach Schohls Vorgaben bemalt.

Eröffnet wurde die Ausstellung am 1. Oktober, dann kam die Preisverleihung. Und wenn es auch nicht der große Preis der Biennale geworden ist, ist Schohl sehr glücklich über den mit 12.000 Euro dotierten Preis der großen Mainichi-Zeitungsgruppe. Der „Bausatz Tier“ bleibt zwei Jahre an seinem Platz, bis zur nächsten Biennale – und wird dann wohl auch in Ube bleiben: „Er ist einfach zu schwer, um ihn zurück zu transportieren.“

von Heike Döhn

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