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Häusliche Gewalt und die Suche nach Glück

Kinderstück Häusliche Gewalt und die Suche nach Glück

Normalerweise sind Kinder- und Jugendstücke vor allem lustig. „Das Buch von allen Dingen“ dagegen ist ernst. Es geht um häusliche Gewalt, um Zivilcourage, um Glück und Freundschaft.

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Mateusz Dopieralski spielt den Jungen Thomas, der unter der Gewalt seines Vaters leidet.

Quelle: Ramon Haindl

Marburg. Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 5a der Richtsberg-Gesamtschule sind ziemlich angetan. „Schon fertig?“, fragen sie nach einem Probenbesuch. Als Patenklasse des Hessischen Landestheaters begleiten sie die Proben zu dem Stück „Das Buch von allen Dingen“ des 1942 in Amsterdam geborenen Autors Guus Kuijers.

Das Stück ist keine leichte Kost für Kinder und dennoch sehr spannend, weil nah dran an ihrem Alltag. Annette Müller inszeniert das Drama in der Black Box: Im Hintergrund steht eine 50er-Jahre-Küche, rechts daneben ein Bandraum.

Thomas, der junge Held des Stücks, wächst in der Nachkriegszeit in den Niederlanden auf. Sein Vater ist äußerst streng. Rigoros setzt er seine Vorstellungen mit der Bibel in der Hand in seiner Familie durch. Nicht nur der elfjährige Thomas, auch dessen Schwester Margot und seine Mutter leiden unter der Tyrannei. Die Gewalt ist präsent, wird aber nicht unmittelbar gezeigt. Das liegt Regisseurin Müller fern: „Es könnte ja sein, dass Kinder im Publikum sind, denen es ähnlich ergeht.“ Also schafft sie Distanz - auch durch das Bühnenbild von Oliver Kostecka: Die Zuschauer beobachten die Auseinandersetzungen in der Küche durch ein großes Fenster. Dort spielt sich der Alltag der Familie ab - zwischen kochen, essen, lesen.

Die Schüler vom Richtsberg bombardieren Regisseurin Müller bei den Proben regelrecht mit Fragen, mischen sich ein, geben Anregungen. Vor allem Jesus, der so locker daherkommt, hat es ihnen angetan.

Und was will Thomas? Ganz einfach: „Glücklich werden.“ Die Chance sieht er, als er Frau Van Amersfoort kennenlernt, die ihm eine neue Welt eröffnet, die der Musik und der Literatur. Als Thomas sogar Jesus begegnet, lehnt er sich auf gegen die archaischen Erziehungsmethoden seines Vaters.

Thomas wird von Mateusz Dopieralski gespielt. In den weiteren Rollen sind Katrin Hylla als Schwester Margot, Christine Reinhardt als Mutter, Jürgen Helmut Keuchel als Vater sowie Clara Schulze-Wegener, Oda Zuschneid, Franziska Knetsch und Johannes Eimermacher zu sehen.

n Die Premiere ist am Sonntag um 16 Uhr.

von Uwe Badouin

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