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Gut, wenn im Kühlschrank noch Licht brennt

Johann König in Marburg Gut, wenn im Kühlschrank noch Licht brennt

Der „Inbegriff der Ekstase“ war zu Gast in Marburg. Johann König erklärte, wie schön das Leben mit Kindern ist und wie man sein Geld investieren sollte.

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Gewährte tiefgreifende Einblicke in sein Privatleben: Johann König weiß, wie es zu Hause ganz entspannt zugehen kann.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Marburg. Da war er also zum ersten Mal. Mental und körperlich nach eigenem Bekunden auf Top-Niveau. Und dann gleich in der neuen „hochmodernen, doppelstöckigen, vollholzvertäfelten und puffrot gepolsterten“ Halle. Wo „backstage“ doch eh immer so viel Party und Glamour ist, aber hier – „speziell hier ist ein Glamour, der ist … unsehbar!“ Sarkasmus kann er. Und was er seinen Fans schuldig ist, das weiß er auch. Da verzeiht man ihm auch, dass er den Humorball zwischendurch mal etwas flacher spielt.

Das nächste Programm, darüber habe er schon nachgedacht. Das soll dann „komplett unter der Gürtellinie stattfinden“. Funktioniert ja auch nicht jeder Gag überall. An der Stelle, wo es um „fünfköpfige Familienväter“ geht, da sei in Gotha am Abend zuvor Stille gewesen, da kenne man das offenbar. „Applausloser Übergang zum Tisch. Schlussgag zu schwach. In Klammern Marburg“, notiert der Comedian dann an anderer Stelle.

"Man muss es nur oft genug wiederholen"

Aber sehr schön sei es hier, erklärte Johann König. Am Nachmittag sei er durch Marburg gelaufen. Wie er in die City komme, habe er gefragt. Antwort: „Das interessiert mich nicht“. Dann habe er die U-Bahn gesucht. Na ja – „wenn man den Platz hat, kann man die auch überirdisch fahren lassen und „Bus“ draufschreiben“.

Wie es zu werten ist, wenn er etwas „sehr schön“ findet, das weiß das Publikum zu diesem Zeitpunkt aber schon. Nachdem Johann König nämlich erzählt hatte, dass er sehr gern auf Tour ist, aber auch sehr, sehr gern zuhause. Wo inzwischen drei eigene Kinder leben. Und er während der Tourpause drei Monate am Stück verbracht hat. Das sei sehr, sehr schön gewesen. Wirklich – sehr, sehr schön. „Man muss es nur oft genug wiederholen.“

Schnappatmung und Lachtränen

#Weniger schön fand seine Frau, dass sie nach eingehender Beobachtung im Haushalt von Johann „sachma, das geht doch auch besser, oder?“ zu hören bekam. „Geh mir nicht aufn Sack“, „geh ausm Weg“ oder „wolltest Du nicht in die Stadt gehen?“, konterte sie. Für König alles nur andere Formulierungen für „geile Idee, Alter“. Und dass man den Mann besser nicht mit Kindern in einen Zoo lässt, dürfte auch klar sein. Zumindest nicht, wenn man vermeiden will, dass seine Jüngste irgendwann bei den Erdmännchen unter der Wärmelampe sitzt und Würmer kaut. „Was sagen eigentlich diese Tagträume aus, ich weiß es nicht“, sinniert König über sein Bühnen-Ego. Um die Stimme zu schonen, beginnt er den zweiten Teil seines Programms mit Vollplayback. Und schlürft „Halswärmer“-Tee, während seine Stimme vom Band ein Gedicht vorträgt. Sein Geld investiert er übrigens in ein moralisches Konto bei der Gewissensbank, wo vegane Sicherheitsleute dafür sorgen, dass Bienen der Honig nicht geklaut wird oder in ein Containerschiff. Einmal wollte er etwas machen, bei dem der Bankberater sagt: „Toitoitoi!“. Wenn er in seinen „völlig fairen Finanzfonds“ eine Absurdität auf die andere packt, sind wir bei Königs Kernkompetenz. Konjunktiv II in Futur zum Quadrat beherrscht in dieser Form nur er.

Und zu ganz großer Form läuft er auf, je näher das Absurde an der Realität zu sein scheint. Lassen Sie ihn mal vom Aufräumen nach einem Kindergeburtstag erzählen. Ja, „so ein Kindergeburtstag kann einen unverschuldet in den Alkoholismus treiben“. Gut, wenn im Kühlschrank noch Licht, ein Bier und Rosmarinschinken für Katze Hekto-Pascal ist. Königs „Milchbrötchenrechnung“ – so der Titel des aktuellen Programms – geht auf: Schnappatmung und Lachtränen und natürlich Riesenapplaus im puffrot gepolsterten Zuschauerraum. Da konnte er sich guten Gewissens wie geplant „komplett wegfenstern“.

von Nadja Schwarzwäller

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