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Gruselige Szenen aus Gebärhäusern

Die Hebamme spielt 1799 in Marburg Gruselige Szenen aus Gebärhäusern

Marburg im Jahr 1799: Die Hebammenschülerin Gesa Langwasser kommt in die Stadt, um ihre Ausbildung im dortigen „Gebärhaus“ zu absolvieren. Was sie dort erlebt, schildert der Film „Die Hebamme“, der heute ab 20.15 Uhr in SAT.1 zu sehen ist.

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Die junge Hebamme Gesa (Josefine Preuß) assistiert bei einer dramatischen Geburt im Hörsaal.

Quelle: Foto: SAT.1 / Jiri Hanzl

Marburg. Der Film geht im Ursprung auf die wissenschaftliche Arbeit der Marburger Ethnologin Professorin Dr. Marita Metz-Becker zurück. Metz-Becker hat sich in ihrer Habilitation „Der verwaltete Körper“ mit den Gebärhäusern des frühen 19. Jahrhunderts beschäftigt. Dabei hat sie untersucht, wie der Geburtsvorgang, der traditionell von Hebammen begleitet wurde, zu einem Gebiet wissenschaftlicher Forschung wurde und die Ärzte die Geburt und die Betreuung der Frauen zu ihrem „Hoheitsgebiet“ machten.

Diese Forschungen waren der Ausgangspunkt für den 2005 erschienen Bestseller „Die Hebamme“ der Münchener Autorin Kerstin Cantz und sie spiegeln sich auch in der Verfilmung wider, die sich von der Romanvorlage in vielen Punkten unterscheidet und die für das Fernsehen noch einmal ordentlich „aufgepeppt“ wurde.

Das Drama "DIe Hebamme" spielt im historischen Marburg des jahres 1799. Der Film läuft am Dienstagabend (20.15 Uhr) auf Sat1.

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Aber: die Themen, die der Ethnologin wichtig sind, sind zu ihrer Freude trotz hinzugedichteter Mordserie und einiger Verkürzungen auch im Film erhalten geblieben. So erlebt die junge Hebamme im Marburger Gebärhaus, wie Ärzte und Studenten die Schwangeren als reines Forschungsmaterial ansehen und ohne Rücksicht auf psychische und physische Pein mit ihnen experimentieren. Das jahrhundertealte Wissen der Hebammen nehmen sie nicht ernst - es sind ja nur Frauen - die Hebammen sind nur noch Handlanger für die Herren Mediziner. Dabei agieren die Ärzte nicht aus Grausamkeit, sondern wollen den Frauen, die in ihrer Not auf die Unterkunft im Gebärhaus angewiesen sind, durchaus helfen.

Frauen und Neugeborene wurden "vermetzgert"

„In ein Gebärhaus gingen damals nur ledige Mütter, die meist von ihren Familien verstoßen oder von den Dienstherren vor die Tür gesetzt wurden“, erklärt Metz-Becker. Das Marburger „Accouchierhaus“, das sich zunächst Am Grün und dann im Fürstenbau des Deutschen Ordens neben der Elisabethkirche angesiedelt hatte, war eines der ersten in Deutschland und hatte trotz des wissenschaftlichen Anspruchs einen schlechten Ruf: „Vermetzgert“ würden die Frauen und die Neugeborenen dort, und tatsächlich waren die Verhältnisse, in denen die Frauen lebten, elend, die Sterblichkeitsrate hoch.

Den „Gruseleffekt“ der medizinischen Sammlungen mit Embryonen in Einmachgläsern nutzt die Verfilmung ebenso wie die drastische Darstellung der Geburten unter den Blicken wenig einfühlsamer Studenten.

Im Film „Die Hebamme“ trifft die junge Gesa auf die erfahrene Hebamme Elgin, die von einem Geheimnis umgeben ist, verliebt sich in einen jungen Arzt und kommt in Kontakt mit einer rätselhaften Mordserie. Dennoch ist der historische Kontext erhalten geblieben, „das sind noch meine Forschungsleistungen“, freut sich Metz-Becker, die Kerstin Cantz beim Schreiben ihres Romans intensiv unterstützt hatte, weshalb das Buch auch viel Marburger Lokalkolorit aufweist. Gedreht wurde der Film allerdings nicht in Marburg sondern in Prag, mit vielen bekannten Schauspielern wie Josefine Preuß und Axel Milberg. Und trotz hinzugedichtetem Serienmörder und allerhand Romantik haben sich die Macher bei der Ausstattung doch große Mühe gegeben und den historischen Hintergrund mit abgebildet - so dass ein lebendiges Bild von den Nöten der schwangeren Frauen dieser Zeit entsteht.

von Heike Döhn

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