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Großes Werk bravourös gemeistert

Bachs Meisterwerk „Matthäuspassion“ Großes Werk bravourös gemeistert

Mit 170 Beteiligten führte Bezirkskantor Nils Kuppe am Sonntag in der Elisabethkirche Johann Sebastian Bachs Meisterwerk „Matthäuspassion“ auf. Ein in vieler Hinsicht monumentales Ereignis.

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170 Sängerinnen und Sänger, Musikerinnen und Musiker und Solisten hatte Bezirkskantor Nils Kuppe für Bachs Matthäuspassion im Altarraum der Elisabethkirche aufgeboten.

Quelle: Bernhard Dietrich

Marburg. Es brauchte ein wenig Überwindung, sich am Sonntagnachmittag bei herrlicher Frühlingssonne für eine Aufführung der Matthäuspassion von Johann Sebastian Bach in die kühle Elisabethkirche zu setzen. Die 500 Besucher, die es taten, wurden aber mit einem wunderbaren Konzert belohnt. Dabei hatte sich die Kantorei der Elisabethkirche unter der Leitung von Bezirkskantor Nils Kuppe zum ersten Mal in ihrer über 30-jährigen Geschichte an das umfangreichste Werk des Leipziger Thomaskantors gewagt.

Bach hatte mit dieser oratorischen Passion die Kapitel 26 und 27 des Matthäusevangeliums mit seinen Geschehnissen von der Verhaftung bis zur Grablegung von Jesus musikalisch nacherzählt und darüber hinaus auch die Metaphern darin gesucht und gedeutet. Zu den Ereignissen gehören etwa der Verrat des Judas, das letzte Abendmahl, das Gebet im Garten Gethsemane, Jesu Gefangennahme und sein Verhör, die Verleugnung des Petrus und Jesu Verurteilung, Verspottung, Kreuzigung und Grablegung.

Unterstützt und begleitet wurden die 110 Sängerinnen und Sänger zum einen vom Marburger Kinderchor mit seinen knapp 20 Kindern zwischen 7 und 12 Jahren. Die sangen bei ihrem Einsatz im ersten Teil der Passion im Mittelgang geradezu gegen Chor und Orchester an und ergänzten damit den Gesamtklang in beeindruckender Weise. Die umfangreichen Chorproben, bei denen Nils Kuppe vom Kirchenmusiker Johann Lieberknecht unterstützt wurde, hatten schon im vergangenen Herbst begonnen.

Professionell, harmonisch und überaus gelungen trug zum andern das gut 30-köpfige Orchester „Solamente Naturali“ aus dem slovakischen Bratislava auf historischen Instrumenten zum musikalischen Gelingen bei. Besonders erwähnenswert sind die verschiedenen Soli wie das des 1. Geigers und Gründers des Orchesters, Miloš Valent, bei der Arie „Erbarme dich, mein Gott“ im zweiten Teil.

Den roten Faden der Erzählung zu präsentieren, vorgegeben durch die biblischen Texte, kam dem Tenor Andreas Post als Evangelist zu. Seine gesanglich überaus präzise und manchmal fast zu druckvolle Präsentation führte die biblischen Ereignisse plastisch vor Augen. Michael Roman (Christusworte), Annemie Blessing-Leyhausen (Sopran), Peter Kennel (falsettierender Alt) und Gregor Finke (Bass) als Solisten glänzten insgesamt in ihren Parts bei den Rezitativen und Arien.
Die tiefsten emotionalsten Momente hinterließen dann aber doch neben dem Eingangs- und Schlusschor die ins Werk eingestreuten 14 Choräle, allen voran „O Haupt voll Blut und Wunden“ mit verschiedenen Strophen und Harmonisierungen.

von Michael vom Ende

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