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Große Stimme, große Ausstrahlung

Konzert von Brenda Boykin und Jan Luley Große Stimme, große Ausstrahlung

Wow, was für eine Stimme! Mit ihrem Gesang brachte die Sängerin Brenda Boykin das kleine Café im Spiegelslustturm zum Beben.

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Ihre Stimme ist ein Ereignis: Die US-amerikanische Jazz-Sängerin Brenda Boykin beim Konzert im Spiegelslustturm.

Quelle: Bettina Preussner

Marburg. Diese Frau ist unglaublich, ihre Stimme ein Ereignis: kraftvoll und intensiv, mitreißend und wandelbar, kreativ und von beträchtlichem Volumen. Hinzu kommen ihre bezwingende Bühnenpräsenz, ihr überschäumendes Temperament und eine große Portion Humor.

„Brenda und ich lieben kleine Klubs“, erzählte der Pianist Jan Luley, der mit ihr zusammen auftrat. „Sie sind gut für den Energiefluss zwischen Künstler und Publikum.“ Und tatsächlich, kaum hatte Brenda Boykin den ersten Ton gesungen, hingen die Zuschauer schon an ihren Lippen. Der Funke sprang sofort über, und das zweieinhalbstündige Konzert wurde zum Erlebnis.

Die Sängerin startete mit einem jazzigen Liebeslied, das sie in genialem Zusammenspiel mit Jan Luley interpretierte. Brenda Boykin hatte sichtlich Freude am Singen, strahlte ins Publikum, wiegte sich im Takt, schnippte und klatschte, und alle machten sofort mit.

Das flotte Funkstück „T for Texas“ begleitete sie mit einer kleinen Tanzeinlage und allerlei launigen Späßen. „Wir hatten hier an der Marburger Musikschule einen Workshop, zu dem die Leute aus Wiesbaden und Hamburg angereist sind“, erzählte sie lachend nebenbei. „Die Studenten haben alle meine Tricks gelernt.“

Jan Luley zeigt sich als virtuoser Begleiter

Es folgten ein paar echte Klassiker aus Jazz und Blues. Von Duke Ellington stammte das ruhige „Mood indigo“, in dem Boykin die ganz großen Gefühle besang, und als das bekannte „Jambalaya“ von Hank Williams erklang, war die Stimmung in dem kleinen Café schon auf dem Höhepunkt. Alle klatschten und sangen aus voller Kehle mit.

Begleitet wurde die Sängerin von Jan Luley, auch er ein international gefragter Künstler, der seit vielen Jahren eine feste Größe in der Jazz-Szene ist. Immer wieder unternahm er tollkühne Ausflüge in die Improvisation und begeisterte mit seinem durchweg virtuosen Spiel.

Bei einem flotten Boogie-Woogie wuchs er am Samstag schier über sich hinaus. Rasend schnell flogen seine Finger über die Tasten, und bald schien das ganze Piano zu glühen. „Er ist einer der Besten des Landes“, lobte die Sängerin unter dem Beifall des Publikums.

Hingabe, Leidenschaft und Überzeugung

Ihr Showtalent konnte Boykin wenig später in dem Liebeslied „Mr. Saturday Man“ voll ausspielen. Die Künstlerin zog witzige Grimassen und blödelte herum: „Baby“, sang sie. „Schatzi, Putzi, Mausi, Bärchen...“ Immer wieder wechselte die Künstlerin, die aus Kalifornien stammt und in Wuppertal lebt, vom Englischen ins Deutsche, so dass ein fröhlicher Mix entstand.

Die Sängerin konnte aber auch ganz ernst sein, wie sie bei der Interpretation einer „Baptist Hymn“ bewies. „What a friend I have in Jesus“, sang sie mit Hingabe und Leidenschaft und aus tiefster Überzeugung. Nach gut zwei Stunden verabschiedeten sich die beiden mit einem „Bye-Bye-Blues“.

„Wir sehen uns nächstes Jahr!“, rief die Sängerin den begeisterten Zuschauern zu. Die wollten sie aber noch längst nicht gehen lassen. Erst nach drei ausführlichen Zugaben und einem Tequila auf der Bühne durften die Sängerin und der Pianist gehen. „Es ist schon etwas Besonderes, wenn man solche Künstler in diesem Rahmen erleben darf“, schwärmte Oberbürgermeister Egon Vaupel, der auch unter den Gästen war.

Brenda Boykin wurde unter anderem 2004 beim Montreux Jazzfestival als beste Vokalistin ausgezeichnet. Sie war bereits auf vielen bedeutenden Festivals zu Gast. Sie hat auf Konzerten überall auf der Welt gesungen und tourte durch Mexiko, Frankreich, Südamerika, Neuseeland und die USA. Seit 2004 lebt sie in Deutschland.

von Bettina Preussner

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