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Goldige Girls und kurze Krimis

"AktÖre" feiern Premiere Goldige Girls und kurze Krimis

Gepflegt-absurde Konversationen über Frühstückseier und Feierabendgestaltung, Generationenkonflikte in einer Frauen-WG und die Aufklärung eines Mordfalls: Das und noch mehr gab‘s bei den „AktÖre 50+/-“.

Cappel. Allerhand zu lachen gab es für die 55 Besucher, die am Samstagabend im Bürgerhaus die Premiere von „Morgens, halb zehn in Deutschland“ miterlebten. Bisher waren es vor allem Kriminalkomödien, die die erste Senioren-Theatergruppe Marburgs, die „AktÖre 50+/-“, auf die Bühne brachten. Die achte Produktion der von der Theaterpädagogin Karin Wölfer 2008 ins Leben gerufenen Truppe besteht aus einer Aneinanderreihung von Sketchen von Loriot, lustigen Szenen aus dem alltäglichen Leben und einen kleinen Kriminaleinakter zum Abschluss.

Die Übergänge zwischen den neun einzelnen Nummern gestaltete Herbert Michel am Klavier, der auch die Titel ansagte. Besonders großen Spaß hatten die Zuschauer an den Loriot-Klassikern, die von jeweils zwei der insgesamt elf auftretenden „AktÖre“ dargeboten wurden. Sie trafen den gepflegten Konversationsstil, in dem Mann und Frau sich über das Weichkochen eines Eis, die Gestaltung eines Fernsehabends vor dem kaputten TV-Gerät, die Wahl des richtigen Kleides oder den Wunsch nach einfachem Nichtstun am Feierabend auseinandersetzen und in absurder Kommunikation und Streit enden.

Sehr gut kam auch die von Regisseurin Wölfer geschriebene Szene mit dem Titel „Erbsünden“ an, die in einer Frauen-WG spielt und von Konstellation und Dialogstil her stark an die US-Serie „Golden Girls“ erinnerte. Die von der ältesten Mitspielerin der Gruppe, der 74-jährigen Anne Marie Eberle dargestellte Walpurga, ist überraschend gekommen, um ihre Tochter Hilde (Anne Bär) zu besuchen.

Selbstironische Sprüche über das Alter

Mit schlagfertigen Sprüchen bringt sie deren Mitbewohnerinnen aus der Fassung und ist wie es scheint, ohnehin dabei, das Kommando über die Wohnung zu übernehmen. Schließlich kommt es zum unvermeidlichen Streit darüber, dass Walpurga wie schon in Kindheit und Jugend die Kontrolle über das Leben ihrer Tochter übernehmen möchte. Als aber Hildes Tochter Lotte (Ramona Schlotzer) auftritt, wird sofort deutlich, dass Hilde sich genauso gegenüber Lotte aufführt. Die äußerst unterhaltsamen Streitgespräche waren mit selbstironischen Bemerkungen über das Alter angereichert, wie „Nein, Mama, ganz ehrlich, wenn ich du wäre, ne Doppel-CD würde ich mir nicht mehr kaufen“ oder „Wisst ihr, wie man das nennt, wenn so ein altes Klappergestell wie ihr die Straße überquert? Krötenwanderung!“

Ein Großteil der Laienschauspielerinnen gehört schon von Anfang an zu der Gruppe, darunter aktive oder mittlerweile im Ruhestand befindliche Verkäuferinnen, Lehrerinnen oder Sachbearbeiterinnen. Die aus Cappel stammende ehemalige Buchhalterin Friedel Frankenberger wohnt schon seit Jahren in Frankfurt, kommt aber trotzdem wöchentlich zur Probe. Dass die Gruppe zusammenhält und das Spielen Spaß macht, bestätigten auch die beiden Neuzugänge.

Zweiter Mitmachkrimi folgt im Herbst

Da Mangel an männlichen Darstellern herrschte, hat Karin Wölfer vor zwei Monaten zwei Nachbarn rekrutiert, einer davon, der Informatiker und Internetsender-Betreiber Metin Gemril, ist blind. Er, sowie der IT-Berater Martin Turek, verfügten nur über geringe Schultheater-Erfahrungen, aber beide bewältigten ihre Rollen mit sichtlicher Spielfreude und recht überzeugend auf der von Roy Kupka gestalteten Bühne. Die weiteren Darsteller waren Jo Hübner, Anne Kaiser und Renate Oelsner, Souffleurin war Heidi Pfeiffer.

Im September feiert die Gruppe ihr fünfjähriges Bestehen. Im Oktober oder November will sie ihren zweiten Mitmachkrimi aufführen.

Die nächste Aufführung von „Morgens, halb zehn in Deutschland“ findet am 1. Februar ab 19.30 Uhr im Bürgerhaus Wehrda statt.

von Manfred Schubert

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