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Götz Widmann huldigt dem Mann ab 50

Sieben Zugaben im KFZ Götz Widmann huldigt dem Mann ab 50

Götz Widmann, ein Urgestein der deutschen Liedermacher-Zunft, präsentierte seinen Fans im KFZ ein Programm, das in satten zweieinhalb Stunden einige Überraschungen bereithielt.

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Liebeskummer bei Götz Widmann: Mit seinem Fan Marcel singt er „Junge, scheiß auf deine Ex“.Foto: Nigar Ghasimi

Marburg. Wie bei fast allen seiner Konzerte, sitzt auch diesmal ein Querschnitt aus allen Altersklassen auf dem Boden. Was er singt, schafft er live - Zusammenkunft, Harmonie, gegen den Hass.

Als Teil des Duos Joint Venture­ hatte er einst vor dem Publikum angefangen. Mit seinem damaligen Freund und Kollegen Martin „Kleinti“ Simon brachte er mehrere Alben raus. Zahlreiche Konzerte spielte das Duo, bis Kleinti im Jahr 2000, noch sehr jung, an einem Herzinfarkt starb. Seitdem tourt der „Meister des ­Liedermachings“ als ­Solokünstler durch die Lande.

Widmann ist Themen wie Politik, Drogen, Liebe und Sexualität durchaus treu geblieben, hat sich aber dennoch weiterentwickelt und ist auch ernsthafter geworden. Er erreicht sein Publikum auch mit seinen 50 Jahren noch aufs Beste. Er scherzt, motiviert, provoziert und findet dabei eine gute Balance zwischen Spaß und Ernsthaftigkeit.

Doch ein Götz Widmann-Konzert wäre nicht das, was es ist, wenn nicht auch Lieder aus Joint Venture-Zeiten ihren Weg auf die Bühne fänden. Neben Klassikern wie „Hank“, „Tach, Herr Chef“ und „Okkultismus ist sexy“ gibt es auch vieles aus dem neuen Album zu hören.

In „Sittenstrolch“, so der Name des Albums, huldigt er dem Mann ab 50. Nach einer langjährigen monogamen Beziehung sei er wieder auf den Liebesmarkt geschmissen worden und müsse nun sehen, wo die geschwundene Attraktivität mit Ü 50 wieder zu holen sei.

Auch sein Suchtverhalten bezüglich seines Smartphones wird thematisiert. Durch „digitaler Burnout“ gibt er sich selbst eine letzte Chance der Genesung, bevor es zur Therapie geht. Das Ganze mit Hilfe einer neuen Musikstil Richtung, nämlich dem Akustik-Death-Metal wie er augenzwinkernd erklärt.

Widmann tourt auch diesmal nicht allein. Jakob Heymann bringt mit drei Liedern seinen, wie Götz ihn nennt, „kosmischen Wahnsinn“ auf die Bühne. Heymann ist ein junger Musiker, der mit gewaltiger Stimme die Popwelt musikalisch parodiert. Er erobert das Publikum in Windeseile und könnte mühelos einen ganzen Abend füllen, was er am 22. November bei einem ­Soloauftritt in der Marburger Waggonhalle tun wird.

Einen großen Herzenswunsch erfüllt Widmann einem Fan, Marcel. Die beiden singen zweistimmig „Junge, scheiß auf deine Ex“ und erfreuen das Publikum damit sehr.

Flexibel und gelassen geht der graumelierte Anarcho auf die zugerufenen Wünsche des Publikums ein. Spielt eine Zugabe nach der anderen und zeigt, was für ein Geschenk mangelnde ­Eitelkeit doch sein kann.

Götz Widmann ist witzig und überaus geistreich - und das bereits seit über 20 Jahren ohne jegliche Angst, sich selbst zum Mittelpunkt des Witzes zu machen. Mit tiefer und leicht angekratzter Stimme bringt er seinen fantastischen Sinn für Sprache an Frau und Mann.

Bei manchen der alten Lieder hört man sogar „Kleinti“ heraus, dessen Parts nun Widmann singt. So hält er seinen verstorbenen Partner auch für die nächste und übernächste Generation lebendig.

Widmann erklärt in seinen Liedern die Welt. Er erzählt Geschichten, die sich aus einem wilden Sammelsurium seiner Gedanken zusammensetzen und doch immer einen Sinn ergeben.

Nach den vielen Jahren ist Widmann ein Bühnenprofi. Und dennoch ist er sichtlich berührt vom enormen Applaus und der Dankbarkeit des Publikums für einen so gelungenen Abend. Die sieben Zugaben sprechen dabei für sich.

von Nigar Ghasimi

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