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Glücksmomente im Soundbrei

Al Di Meola in der Pfarrkirche Glücksmomente im Soundbrei

700 Fans hörten am Freitagabend in der seit Wochen ausverkaufen Pfarrkirche den Stargitarristen Al Di Meola. Der 59-Jährge präsentierte „Beatles and more“.

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Hochkonzentriert und virtuos: Der Jazzgitarrist Al Di Meola präsentierte mit seiner Band in der Marburger Pfarrkirche zwei Stunden lang „Beatles and more“.Foto: Michael Hoffsteter

Quelle: Michael Hoffsteter

Marburg. „Wir hätten hunderte Karten mehr verkaufen können“, sagte Tourveranstalter Detlef Hornstein. Kein Wunder: Al Di Meola ist einer der besten Jazz- und Fusiongitarristen weltweit. Mit 19 Jahren spielte er in Chick Coreas legendärer Formation „Return to Forever“. 1981 wurde er zur Legende: Damals nahm er mit John McLaughlin und dem jüngst verstorbenen Flamenco-Gitarristen Paco de Lucia das Live-Album „Friday Night in San Francisco“ auf, das sich mehr als zwei Millionen Mal verkaufte und bis heute das wohl erfolgreichste Jazz-Album ist.

Vielleicht, deutet Hornstein an, kommt Al Di Meola aufgrund des riesigen Interesses in Marburg im kommenden Jahr noch einmal. Dann hoffentlich in die bis dahin vielleicht fertiggestellte Stadthalle oder ins Audimax, denn die Pfarrkirche war für dieses Konzert alles andere als ideal. Wer nicht schon um 18.30 Uhr in der langen Schlange vor der Pfarrkirche gestanden hatte, musste mit reinen „Hörplätzen“ vorlieb nehmen: Vom Rang und aus den Seitenschiffen war kaum ein Blick auf die Bühne zu erhaschen. Auf der Empore drängten sich Fans vor der Orgel, weil diese Plätze wenigstens Sicht auf die kleine Bühne im Altarraum boten. Auch der starke Nachhall des gotischen Kirchengewölbes erwies sich für die komplexen Klanggebilde, die Al Di Meola seiner akustisch-elektrischen Gitarre entlockt, vor allem auf der Empore als sehr problematisch. Viele Besucher verließen das Konzert deshalb früher.

Meola hatte zuvor mit Witz auf den auch für ihn ungewohnten Konzertraum reagiert: Er begrüßte die Fans im Gewand eines Pfarrers. Dass Al Di Meola mit seinem mit Keyboard, Cello und Schlagzeug besetzten Jazz-Quartett und einem zusätzlichen Streicherquartett trotz all der Probleme Gänsehaut-Musik und Momente echter Glückseligkeit gelangen, zeigt die enormen Fähigkeiten dieses Ausnahmegitarristen und seiner Begleitmusiker. Al Di Meola ist schnell, sehr schnell. Während viele Gitarristen sich auf Tempo und Virtuosität konzentrieren und darüber die „Seele“ der Musik verlieren können, so stellt Al Di Meola sein ganzes Können in den Dienst der Musik. Er hat den „Soul“ - und dies macht den unwiderstehlichen Reiz seiner Musik aus.

„Beatles and more“ hat er sein Programm betitelt: In den legendären Abbey Road Studios, die die Beatles groß gemacht haben, hat er 14 Klassiker neu interpretiert. Songs wie „Michelle“, „Penny Lane“, „Blackbird“ oder „I am the Walrus“ - sie alle kleidete er in seinem „Tribute“ an die Fab-Four in ein neues Gewand mit lateinamerikanischen und von spanischer Gitarrenmusik inspirierten Klängen - mit einer Ausnahme: „Eleanor Rigby“ blieb fast im Naturzustand.

Neben den Beatles gab es „more“ - und mehr hat Al Di Meola wahrlich zu bieten: 28 Soloalben hat er im Laufe seiner Karriere eingespielt, 19 weitere mit anderen Stars der Jazz-Szene. Aus diesem unerschöpflichen Fundus und bei seinem großen Vorbild Astor Piazolla bediente er sich auch bei seinem Marburger Konzert. Fazit: atemberaubender Jazz mit virtuosen Läufen und knallharten Riffs. Als Zugabe gab es Passagen aus „Friday Night in San Francisco“. Herz, was willst du mehr.

von Uwe Badouin

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