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Gewitzter Klischee-Franzose

Kabarettist Alfons trat im KFZ auf Gewitzter Klischee-Franzose

Orangene Trainingsjacke und Puschelmikrofon? 
Das kann nur einer tragen: Alfons, Reporter 
und Klischee-Franzose. 
Er war beim Marburger Kabarettherbst zu Gast.

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Kabarettist Alfons würde Angela Merkel gerne gegen Frankreichs Präsidenten Hollande eintauschen.

Quelle: Nadja Schwarzwäller

Marburg. Eigentlich müsste 
man durchweg in französischem Akzent schreiben, wenn es um Alfons geht. Der gebürtige Franzose setzt das als Stilmittel konsequent ein, um noch unbeholfener daherzukommen, als er es eh schon tut. Obwohl 
 er es faustdick hinter seinem Puschelmikrofon hat.

Wenn er eine auch noch so harmlos anmutende Frage stellt, sieht der Interviewte selten gut dabei aus. „Heute mein Thema“ ist meistens der Einstieg in absurde bis urkomische Gespräche.

In Marburg stellte er sich erst einmal brav vor. Er ist Alfons, er ist Franzose, „voilà“. Er ist nicht der Sparkassenleiter – das musste nach der Ansage klargestellt werden, die jede Vorstellung des Kabarettherbstes einläutet und Alfons belustigt hat. Im richtigen Leben heißt der Mann Emmanuel Peterfalvi und ist mit der Bühnenfigur Alfons seit Mitte der 1990er Jahre im deutschen Fernsehen präsent. „Es ist ganz schön geworden, das Ding“, kommentierte er das neue Domizil des KFZ. Vom 
Publikum hätte er aber mehr 
erwartet – man soll doch bitte mal richtig ausflippen, animiert er die 320 Zuschauer.

Vielleicht Hollande und Merkel tauschen

Deutschland sei zum Spitzenreiter in Europa geworden, lobt Alfons: „Ihr macht alles richtig – bis auf die Socken in den Sandalen im Sommer“. Und seit dem Betrugsskandal bei VW seien die Deutschen nun auch den Franzosen total sympathisch. Am Anfang habe man das gar nicht glauben können – die Deutschen und betrügen? Aber doch. Und dann auch noch in typisch deutscher Gründlichkeit, mit einer speziell entwickelten Software. „Wir hätten nur den Prüfer bestochen“, kommentiert Alfons.

Was er nicht versteht, ist, dass die Deutschen Angela Merkel toll fanden, solange sie nichts gemacht hat. Als sie dann eine Meinung hatte, nämlich zum Thema Flüchtlinge, aber nicht mehr? „Ich wäre total stolz auf meine Kanzlerin“, stellt Alfons fest. Und schlägt vor, man könne gern gegen Hollande tauschen. Und was Deutsche machen würden, wenn jeden Tag Bomben auf ihr Haus geworfen würden? Wahrscheinlich erst einmal Mietminderung fordern. Das aber nur am Rande. Bevor es mit dem eigentlichen Programm losgeht.

Das trägt den Titel „Das Geheimnis meiner Schönheit“. Und zwar, weil Chanel inter­veniert hat. Eigentlich hatte Alfons nämlich vor, das neue Programm schlicht „Nummer fünf“ zu nennen, eben weil es sein fünftes ist und er die Sache mit der Titelfindung so gar nicht mag. Aber dann rief sofort Chanel an. Selbst die Kinder in der Schule würden in Frankreich beim Zählen „1, 2, 3, 4, 6“ lernen, weil die Nummer 5 eben der Name eines Parfums ist.

Zwischendurch bekommt das Publikum einige Filme zu sehen, für die Alfons berühmt geworden ist. Er nimmt an einem Seminar der Bahn teil, in dem Rentnern der Umgang mit Fahrkartenautomaten nähergebracht werden soll, besucht einen Schützenverein und einen Hundegottesdienst. „Für Marburg ausreichend“ oder „für Marburger zu philosophisch“ wird je nach Reaktion im Publikum nebenbei noch im großen Block notiert. Voilà.

von Nadja Schwarzwäller

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