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Gestickte Märchen aus fünf Jahrzehnten

Waschbare Bücher Gestickte Märchen aus fünf Jahrzehnten

Bei der Vernissage der Ausstellung „Märchenhaftes aus dem Nähkästchen“ war das Interesse des Publikums sehr groß.

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Karin Stichnothe-Botschafter, Hannes Hübner und Gunilla Rising Hintz präsentieren ein von Gertrud Hübner-Nauhaus 1979 gesticktes Detail aus dem Märchen Rapunzel.

Quelle: Kristina Lieschke

Marburg. „Sticken - wer kann das heute noch?“, fragte Ausstellungsmacherin Karin Stichnothe-Botschafter zu Beginn ihres Einführungsvortrages. Dann erläuterte sie kurz interessante Details dieser alten Kulturtechnik und stellte den rund 60 Besuchern im bis zum letzten Platz gefüllten Raum die Idee ihrer ungewöhnlichen Ausstellung gestickter Märchenillustrationen von Gertrud Hübner-Nauhaus näher vor.

Stichnothe-Botschafter hatte gemeinsam mit Gunilla Rising Hintz, ihrer Vorstandskollegin beim Marburger Haus der Romantik, und mit Hannes Hübner, dem Sohn der Künstlerin, die Idee zu der Ausstellung der Märchenmotive aus fünf Jahrzehnten. Stichnothe-Botschafter setzte die Ausstellung im Obergeschoss des Hauses der Romantik auch federführend um. Bis zum 8. Februar 2015 werden dort die Illustrationen zu zehn verschiedenen Märchen der Brüder Grimm und auch ein Selbstporträt der Malerin und Stickerin Hübner-Nauhaus zu sehen sein.

Die Initiatorin zeichnete ein erstes Bild von Hübner-Nauhaus als „Marburger Künstlerin“: Von 1953 bis 1989 lebte sie in der Universitätsstadt - einige Jahre davon in Ockershausen - und stickte hier viele ihrer insgesamt 25 „Märchenbücher“. Das erste dieser Bilderbücher aus Stoff entstand allerdings bereits Ende der 1930er Jahre. Rising Hintz kannte die Künstlerin übrigens persönlich als engagierte Teilnehmerin ihrer Marburger Schwedischkurse.

Hannes Hübner ergänzte dieses Bild seiner im Jahr 1900 im heutigen Tansania geborenen Mutter um viele von ihm selbst erlebte Facetten. So wusste er zu berichten, dass natürlich keines der „waschbaren Kinderbücher“ mit zwölf bis 26 bestickten Blättern pro Buch jemals wirklich gewaschen wurde. Dass er selbst und seine vier Geschwister in den Illustrationen ihrer Mutter so manches Detail aus der eigenen Wohnung wiedererkannten, wie beispielsweise die Wanduhr oder das alte Himmelbett. Oder wie die Mutter immer, auf ihrem Biedermeiersofa sitzend, konzentriert und entspannt zugleich an einem ihrer Märchenbücher stickte - noch bis kurz vor ihrem Tode 1989.

Zu sehen sind in der Ausstellung das allererste Märchenbuch zu „Rotkäppchen“ (1930er Jahre) sowie neun weitere, zwischen 1960 und 1980 entstandene Märchen, unter anderem „Hänsel und Gretel“, „König Drosselbart“, „Der Wolf und die sieben jungen Geißlein“, „Rapunzel“ und „Von dem Fischer un syner Fru“.

Die Bilderbücher sind auseinandergenommen und die Stoffstücke in der Reihenfolge der einzelnen gestickten Szenen angeordnet worden. Zum Teil in Vitrinen, zum Teil in Glasrahmen werden sie dem Betrachter präsentiert, der so in aller Ruhe schauen und selbst manches ungewöhnliche Detail entdecken kann.

von Kristina Lieschke

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