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Geschlechterkampf imposant im Bild

Städel Frankfurt Geschlechterkampf imposant im Bild

Eine beeindruckende ­Sonderausstellung zeigt Geschlechterrollen im Spiegel der Kunst von 
der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges.

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Max Liebermanns Werk zeigt Delila und Simson aus dem Alten Testament. Delila hat Simsons Haare, das Geheimnis seiner Kraft, abgeschnitten und hält sie siegessicher hoch.

Quelle: Anna Ntemiris

Frankfurt. Die Frau als Hure und Heilige, Nymphe, Jungfer, Domina: Geschlechter­rollen eignen sich hervorragend als Motiv für Kunstwerke. Das beweist die Ausstellung „Geschlechterkampf“, die im Frankfurter Städel Museum zu sehen ist. Wer nun – nur – an Feminismus denkt, irrt sich. Es gibt einen weiten Blick in die Geschichte. Viele Geschichten und Motive aus dem Alten Testament sind dargestellt.

Adam und Eva sind etwa das Sinnbild für den Geschlechterkampf in der christlichen Kultur und so finden sich verschiedene Fantasie-Varianten von Adam und Eva im Städel. Franz von Stuck hat um 1920 die windende Schlange um Evas Beine gemalt, die Erotik verführt den Mann.

Suzanne Valadon hat sich 1909 mit ihrem 20 Jahre jüngeren Mann als Adam und Eva porträtiert.

Die Geschichte von Simson und Delila, die Simsons Haare abschneidet, ist ebenfalls in mehreren Varianten zu sehen. Rund 150 zum Teil weltberühmte Arbeiten unter anderem von Künstlern wie Edvard Munch, Auguste Rodin, Frida Kahlo, Gustav Klimt, Max Liebermann und Otto Dix sind zu sehen.

Frauenbewegung 
und Sexualdebatten

Viele der Gemälde, Skulpturen, Fotografien und Filme stammen aus der Sammlung des Städel, andere sind Leihgaben bedeutender Museen. Die Werke kreisen sich um ein zeitloses Thema – die spannungsgeladenen Beziehungen zwischen Mann und Frau. Sie zeigen viele nackte weibliche Körper, Stereotypen der einzelnen Epochen, Idealbilder und Symbole für Sex, Schönheit, Stärke. Unter den Werken finden sich auch Themen, die den Betrachter erschüttern.

Eine kleinere Radierung von Käthe Kollwitz von 1907 unter dem Titel „Vergewaltigte“ zeigt eine misshandelte Frau im Garten. Die Ruhe im Museum wird durch Frauenschreie gestört: Der Schwarz-Weiß-Film „King Kong und die weiße Frau“ von 1933 gehört ebenfalls zu den Exponaten.

Geschlechterkampf als historisches Thema, das keineswegs an Brisanz verloren hat, wie unter anderem die Kampagne „Nein heißt Nein“ zeigt. Auch daher haben die Werke der großen Meister eine aktuelle ­Dimension.

Der Wandel der Geschlechterrollen kommt ebenfalls rüber: von der Frauenbewegung, der Geschlechterdebatten und Sexualkontroversen der Weimarer Republik, der körperlichen Freizügigkeit nach dem Ersten Weltkrieg bis hin zur Vermischung der beiden Geschlechter.

  • Die Sonderausstellung im Städel Museum in Frankfurt ist bis zum Sonntag, 19. März, geöffnet.

von Anna Ntemiris

Die Frau als Schießstand: Ein Ölgemälde von Pyke Koch aus dem Jahr 1931. Die Gewehre erinnern an Phallussymbole. Foto: Anna Ntemiris
 
 
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