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Geraubtes Bild im Unimuseum?

Vorwurf Geraubtes Bild im Unimuseum?

In scharfem Ton fordert die Kölner Rechtsanwältin Elke Koch die Herausgabe einer Gravur von Josef Albers. Die Philipps-Universität verlangt den Nachweis, dass das Bild, wie behauptet, überhaupt Diebesgut war.

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Die umstrittene Gravur Structural Constellation NN-2 von Josef Albers ist Teil der Sammlung Eitel.

Quelle: Thorsten Richter

Marburg. Die Kölner Rechtsanwältin Elke Koch hat am 15. Januar beim Landgericht Köln im Namen ihrer Mandantin, der in Vaduz (Liechtenstein) ansässigen Finance Cooperations Establishment (kurz: FCE), Klage gegen die Philipps-Universität Marburg eingereicht. Es geht um ein Kunstwerk, das Teil der Stiftung Eitel ist, die dem Universitätsbund übereignet wurde, der sie wiederum dem Universitätsmuseum als Dauerleihgabe überlassen wird.

Es ist eine verworrene und komplizierte Angelegenheit: Das Unternehmen FCE behauptet, das Werk „Structural Constellation NN-2“ von Josef Albers aus dem Jahr 1962 sei 1995 in Köln gestohlen worden. Weil das Bild gestohlen worden sei, habe weder die Universität noch Hilde Eitel „jemals wirksam Eigentum an der Gravur erworben“, selbst wenn sie es bei seriösen Anbietern gekauft habe. Die Gravur hat laut Klageschrift einen Wert in Höhe von 40 900 Euro.

Anwältin droht der Philipps-Universität

Die Firma FCE wiederum habe Ansprüche in Höhe von 10 Millionen US-Dollar gegenüber dem einstigen Besitzer des Bildes, die aus betrügerischem Devisenhandel resultierten, wobei FCE diese Summe verloren habe. FCE spürt nun Wertgegenständen des Kaufmanns nach, um die Schadenersatzforderungen zu minimieren.

Seit 12. Dezember ist der Philipps-Universität der Vorgang bekannt. In mehreren Schreiben an die Universitätsleitung fordert die Anwältin Koch in scharfem Ton die unverzügliche Herausgabe des Kunstwerks. In den Schreiben ist von Hehlerei und Geldwäsche die Rede. Immer wieder verweist die Anwältin auch auf strafrechtliche und zivilrechtliche Konsequenzen für die Universität.

Sollte sie sich auf einen von vornherein aussichtslosen Rechtsstreit einlassen, dann könne man auch von Untreue sprechen. Der OP liegen die Klageschrift und der Schriftverkehr vor. Die Anwältin betont: Der Diebstahl der Kunstsammlung sei bei der Kripo Köln angezeigt, das Ermittlungsverfahren von der Staatsanwaltschaft jedoch eingestellt und die Akte vernichtet worden.

Anwalt fordert Beweise

Der Leitende Regierungsdirektor Volker Drothler, Leiter der Rechtsabteilung der Universität, reagiert gelassen: „Sollte das Bild wirklich gestohlen worden sein, kann man tatsächlich kein Eigentum daran erwerben. Aber das haben die Kläger bis heute nicht belegt.“ Außerdem sei nicht die Universität Eigentümer des Bildes, sondern der Universitätsbund.

Ullrich Eitel, Sohn von Hilde Eitel, ist bestürzt. Sowohl über den Vorwurf als auch über den harschen Ton der Kölner Anwältin. „Meine Mutter hat die Gravur legal gekauft. Die Anwältin hat bis heute keinen einzigen Beleg erbracht, dass dieses Bild von meiner Mutter nicht rechtmäßig erworben wurde.“ Die Rechnungen lägen vor. Und der Testamentsverwalter Ludwig Rinn meint: „Wir sind uns mit Herrn Drothler einig, dass der Diebstahl belegt werden muss. Wir werden das Bild nicht auf guten Glauben herausgeben.“

Im Hintergrund involviert ist der Anwalt Christian Langreuter. Nach OP-Recherchen war Langreuter bei dem Baseler Inkasso-Unternehmen The Law Advisor tätig, das mit erworbenen Forderungen Geschäfte machte und laut Stuttgarter Zeitung Anfang 2014 fast die gesamte baden-württembergische Regierung auf Schadenersatz verklagt hat. Laut dem Internet-Auftritt profil.at forderte The Law Advisor 2009 auch 15 Millionen Euro Schadenersatz von der „Ersten Bank“.

Prozess 1996 führte zu Anlegerskandal

Langreuter teilte auf Anfrage mit, er sei seit August 2014 nicht mehr bei The Law Advisor beschäftigt und habe persönlich keine Forderungen der Finance Cooperations Establishment übernommen. Doch wessen Interessen vertritt er?

Der OP-Redaktion liegt ein Urteil des Landgerichts Frankfurt aus dem Jahr 1996 vor. Damals wurde der angebliche Dieb, der inzwischen verstorben ist, wegen Betrugs verurteilt. Alle diese Auseinandersetzungen führen zu einem der größten Anlegerskandale in Deutschland, Österreich und der Schweiz: Rund zwei Milliarden D-Mark steckten etwa 100 000 gutgläubige Anleger in das Schneeballsystem des European Kings Club, der 1996 in Konkurs ging. Rund 500 Millionen Mark blieben verschwunden. EKC-Chefin Damara Bartges, laut FAZ die „Königin der Anklagebetrüger“, wurde zu acht Jahren Haft verurteilt.

Involviert in dieses Schneeballsystem waren unter anderem der angebliche Dieb des Bildes und ein verurteilter Betrüger, den die Anwältin wiederum als Zeugen für den Diebstahl des Kunstwerkes aufführt, ebenso wie den ehemaligen Besitzer, der ihrem Mandanten 10 Millionen Euro schulden soll.

von Uwe Badouin

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