Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 3 ° Regen

Navigation:
„Georg Elser war ein Held“

Filmstart „Georg Elser war ein Held“

Der Pazifist, der 1939 beinahe Hitler in die Luft gejagt hätte, bekommt in Oliver Hirschbiegels Biopic „Elser“ sein filmisches Denkmal gesetzt. Am Freitag machte Hauptdarsteller Christian Friedel im Marburger Cineplex Station.

Voriger Artikel
Experte erklärt die Welt der Teenies
Nächster Artikel
Bei Nichtgefallen „in die Fresse hauen“

Georg-Elser-Darsteller Christian Friedel nahm sich viel Zeit für das Publikum bei seinem Besuch in Marburg. Und zeigte sich nachdenklich angesichts aktueller Entwicklungen in Deutschland.Fotos: Maik Dessauer

Marburg. Er war der Lehrer in „Das weiße Band“, spielte Hamlet und Don Carlos im Staatsschauspiel Dresden und tourt in Kürze wieder mit seiner Band „Woods of Birnam“ - Am Freitag machte Christian Friedel auf der Promotour zu seinem neuen Film „Elser“ aber zunächst einmal im Cineplex in Marburg halt.

„Folter, Todesstrafe, Gewalt und Rechtspopulismus sind immer noch aktuelle Themen“, wird Elser-Darsteller Friedel später im Publikumsgespräch sagen. Der in Dresden lebende Schauspieler und Musiker macht deutlich, wie relevant gerade heute die Vergegenwärtigung beunruhigender politischer Tendenzen ist.

„Diese Angst, die man hat, wenn man sich mit dem Mitläufertum des dritten Reichs beschäftigt - dass das wieder kommt. Meine Hoffnung ist, dass der friedliche Widerstand überwiegt und das im Keim erstickt.“

Hitler nur um 13 Minuten verpasst

Zuvor liefen auf der Leinwand die letzten Minuten von „Elser - Er hätte die Welt verändert.“ Der Konjunktiv im Untertitel verweist auf das Scheitern des mutigen Unterfangens, Adolf Hitler am 8.November 1939 im Bürgerbräukeller in München durch einen selbstgebastelten Sprengsatz zu beseitigen. Lediglich um 13 Minuten verfehlte der Zeitzünder sein Ziel und riss statt der NS-Führungsspitze acht unbeteiligte Menschen in den Tod. Elser selbst wurde schon vor Detonation der Bombe an der Schweizer Grenze verhaftet. Bis zu seiner Erschießung am 9. April 1945 in Dachau gab sich der einst lebensfrohe Schreiner und Musiker die Schuld für das Misslingen seines Plans.

Es dauerte bis in die 90er Jahre, bis Georg Elser in der Gedenkkultur der Bundesrepublik die Würdigung erfuhr, die er schon zu Lebzeiten verdient gehabt hätte. Friedel erklärt im Interview, „dass ein einfacher Handwerker aus dem Schwabenländle einfach nicht so sexy war wie ein Aristokrat namens Stauffenberg“.

Ein Akt für die Freiheit

Hirschbiegels Film rückt den Menschen Elser in den Mittelpunkt. In Rückblicken erzählt er von Elsers Zeit am Bodensee, seiner Rückkehr in seine Heimat Königsbronn, seinen Liebschaften, der ideologischen Verbundenheit zur KPD und letztlich von der reifenden Überzeugung, dass etwas gegen das verbrecherische Regime Hitlers getan werden muss.

Christian Friedel, der eindringlich die verschiedenen Facetten Elsers zwischen Leichtigkeit, Nachdenklichkeit und stoischem Trotz darstellt, will die Tat weniger politisch motiviert wissen, sondern viel eher als einen „Akt der Selbstverteidigung und für die Freiheit“.

Hier habe es für Friedel in der Rollenerarbeitung schnell ideologische Anknüpfungspunkte gegeben. Die intensiven und sehr drastisch dargestellten Verhör- und Folterszenen hingegen stellten vor allem eine immense körperliche Herausforderung dar. An diese Szenen habe sich Friedel eher technisch herangearbeitet, da es schwierig sei, „einen Weg in einen Schmerz zu finden, den man selbst nicht erfahren hat“.

"Den Blick nicht abwenden"

Die Szenen, in denen Burghart Klaußner als Arthur Nebe und Johann von Bülow als Gestapochef Heinrich Müller mit allen Mitteln versuchen, Elser zu einem Geständnis über nicht existente Hintermänner zu zwingen, brennen sich nachhaltig in das Gedächtnis des Zuschauers ein.

Friedel hofft, dass der Film die Person Elser ins kollektive Bewusstsein rückt - „da, wo er hingehört.“ Danach gefragt, welche Botschaft für die Zuschauer bliebe, sagt Friedel: „Ich wäre glücklich, wenn sie inspiriert davon sind, dass wir alle politische Menschen sind. Wenn der Film sie dazu bringt, ihren Blick nicht mehr abzuwenden, sondern sich bewusst zu sein, dass sie eine politische Stimme haben, das wäre toll.“ „Elser - Er hätte die Welt verändert“ läuft seit Donnerstag im Kino.

von Maik Dessauer

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Hier finden sie die Kommentare und Meinungen der Redakteure zu lokalen und weltpolitischen Themen sowie Glossen und augenzwinkernde Beträge. mehr