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Gemüse als malerische Explosion

Marburger Kunstverein: Gabi Streile Gemüse als malerische Explosion

Großformatiger Spargel, schier aus sich heraus berstende Blumensträuße, bedrohlich flackernde Landschaften – Gabi Streile bedient nahezu banale Sujets mit der ganzen Wucht der Malerei.

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Michael Herrmann hat sich dafür eingesetzt, dass die ausdrucksvollen und farbintensiven Arbeiten von Gabi Streile im Kunstverein gezeigt werden.

Quelle: Heike Döhn

Marburg. Der Marburger Galerist Michael Herrmann gerät ins Schwärmen, wenn er von den Arbeiten der Künstlerin Gabi Streile spricht. Schon vor zehn Jahren geriet er in den Bann der ungewöhnlichen Gemälde, nun hat er sich dafür eingesetzt, dass Streile mit ihren oft großformatigen Arbeiten den Kunstverein bespielen kann. Eröffnet wird die Ausstellung am kommenden Freitag.

Streiles Arbeiten seien echte 
Malerei, sagt Herrmann. Ihr großes Thema ist die Natur, und auch der Titel der Ausstellung lautet „Natura duce“ nach der Maxime „Natura duce optima vivitur“, zu Deutsch: Wenn die Natur dich führt, lebst du am besten“.

Doch geht es nicht um eine 
genaue Abbildung von Blumen, Artischocken oder Landschaften, sondern um den explosiven malerischen Prozess, die Persönlichkeit der Künstlerin, die sich in diesem Prozess und im Werk abbildet. Nicht umsonst nennt Streile die Gemälde, die Tannen zeigen, nach Aussage ihres Ehemanns Werner Schmidt „Selbstporträts“.

Es ist nichts Süßliches in diesen Bildern, die Herrmann und Schmidt vorab vorgestellt haben – Streile selbst kann erst zur Vernissage anreisen. „Die Artischocken könnten auch Handgranaten sein“, sagt Herrmann mit Blick auf die deutlich ablesbare Wucht des Malprozesses und die Gewalt des Ausdrucks.

Auch den Landschaften sieht man an, dass Streile laut Schmidt durchaus Angst hat vor Bäumen und dem Wald. Es sind Seelenlandschaften, sagt Streiles Ehemann, der selbst auch Künstler ist. Ihre Blumen sind mit soviel Verve gemalt, dass die Künstlerin laut Schmidt gelegentlich mit vor Anstrengung blassen Lippen das Atelier verlässt – die Intensität sieht man den Arbeiten, die aus einem Zentrum heraus nach außen zu bersten scheinen, auch an.

Gabi Streile ist 1950 in Karlsruhe geboren, hat an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste dort studiert und lebt heute in Oberkirch, zudem hat sie ein Atelier in Berlin. Streile 
gilt als eine der Vorläuferinnen der „Jungen Wilden“ in der Kunst des Südwestens und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet.

  • Die Vernissage beginnt am Freitag, 21. Oktober, um 18 Uhr. Die Einführung übernimmt Michael Herrmann. Zu sehen sind die Gemälde dann bis zum 8. Dezember Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr, mittwochs von 11 bis 20 Uhr. Kostenlose Führungen gibt es jeden Samstag ab 16 Uhr.

von Heike Döhn

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