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Geisterstädte und vergessene Inseln

OP-Buchtipp: Alastair Bonnett: „Die seltsamsten Orte der Welt“ Geisterstädte und vergessene Inseln

Manche Orte scheinen fantastische Erfindungen zu sein, doch sie sind Realität. Ein britischer Reiseführer begleitet uns zu den seltsamsten Plätzen dieser Welt.

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Die belgisch-niederländische Grenze verläuft mancherorts mitten durch ein Gebäude.

Quelle: Martina Herzog

Eine Stadt wie Kijong-dong kann sich nur Nordkorea ausdenken. Sie scheint einem irren Fantasy-Roman entsprungen zu sein. Denn Kijong-dong hat keine Einwohner, es kann auch niemand diese Stadt besuchen. Kijong-dong ist eine Simulation. Die großen Wohnblocks mit ihren glänzend blauen Ziegeldächern sind leer.

Viele Nordkoreaner würden sich sicher freuen, in einer so modernen Stadt zu leben. Nur leider ist Kijong-dong eben gar nicht für Nordkoreaner gedacht, sondern eine einzige große Propagandaveranstaltung für den Erzfeind im Süden. Denn die Phantomstadt liegt direkt an der Grenze zu Südkorea.

Kijong-dong ist sicherlich einmalig, doch kuriose Orte gibt es überall auf der Welt. Der britische Geograf Alastair Bonnett hat einen Reiseführer der anderen Art geschrieben. In „Die seltsamsten Orte der Welt“ stellt er Plätze, Städte, Gebiete vor, die unseren Erwartungen und Erfahrungen an geografische Orte zuwiderlaufen.

Etwa Inseln, die auftauchen und wieder verschwinden, oder solche, die nie existiert haben, aber dennoch auf Karten eingetragen sind, Geisterstädte wie das aserbaidschanische Agdam, die verlassen und gesprengt wurden, geschlossene Städte wie das russische Selenogorsk, die Ortsfremde nur mit spezieller Genehmigung betreten dürfen.

Sandy Island gab‘s nur in der Fantasie

Es gibt auch Gebiete, die einfach niemand haben will, so etwa das ostafrikanische Bir Tawil, das sowohl von Ägypten als auch vom Sudan verschmäht wird. Andernorts ist die Grenzziehung so anarchisch, dass bizarre Enklaven entstehen – nicht immer zur Freude der Bewohner. An der Grenze von Indien und Bangladesch etwa gab es bis vor kurzem die sogenannten Chitmahals. Fast 200 Enklaven drängten sich in dem Grenzgebiet, was zu absurden Situationen führte.

Entspannter ist die Situation im holländischen Baarle-Nassau und belgischen Baarle-Hertog, Nachbargemeinden, die durch eine chaotische Grenzziehung voneinander getrennt oder vielmehr miteinander verbunden sind. Auf einem 160 Meter langen Straßenstück kann man hier schon einmal fünf nationale Grenzen überschreiten. Es ist möglich, dass die Grenze mitten durch ein Haus verläuft.

Es gibt auf der Erde immer weniger Orte zu entdecken, und manche Entdeckungen erweisen sich dann auch noch als Fata Morgana. So geschehen mit Sandy Island, einer Insel östlich vom australischen Queensland, die 1908 erstmals auf einer Karte auftauchte und deren Existenz immer weiter fortgeschrieben wurde, bis ein australisches Forschungsschiff 2012 an der Stelle des angeblichen Eilandes einfach nur Wasser fand. Inzwischen wurde die Insel auf Google Earth gelöscht.

  • Alastair Bonnett: „Die seltsamsten Orte der Welt“, C.H.-Beck-Verlag, 296 Seiten, 19,95 Euro.

von Sibylle Peine

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